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Zwischen Erinnerung und Erneuerung

«Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten», sagte der deutsche Politiker August Bebel.

 

«Woran können wir uns eigentlich noch halten?» Diese Frage stellen sich heute viele Menschen. Sie drängte sich auch 1945 auf, als die Gräuel des Holocaust allmählich ins Bewusstsein der Menschen im Nachkriegseuropa durchdrangen. «In dieser Situation haben sich die Menschenrechte herausgebildet als politische Mindeststandards für ein humanes Miteinander», sagt Daniel Bogner, Professor für Theologische Ethik an der Universität Freiburg, im Interview. «Sie sind also aus der Krise und für die Krise entstanden», ruft er in Erinnerung.

 

Für Bogner sind die Menschenrechte denn auch unverzichtbar für ein verantwortungsbewusstes Leben, gerade in unsicheren Zeiten, wie wir sie auch heute erleben. Er bleibt daher hoffnungsvoll, dass sie sich langfristig durchsetzen werden.

 

«Warum soll ich traurig sein?»

 

Einer der letzten Holocaust-Überlebenden in der Schweiz verstarb diese Woche, am 24. August, im Alter von 99 Jahren: Shlomo Graber, zuletzt in Basel wohnhaft, überlebte drei Konzentrationslager und einen Todesmarsch. Darüber sprechen konnte er erst Jahrzehnte später und hielt mit Vorträgen und einem Buch die Erinnerung an diese Verbrechen wach, damit solches nie wieder geschehen möge. Dennoch sagte er noch im Januar gegenüber dem «pfarrblatt»: «Ich lebe nicht mit dem Holocaust. Warum soll ich traurig sein, wenn es fröhlich sein kann.» 

 

Um die schönen Klänge der Orgelpfeifen wiederherzustellen, war diesen Sommer in der Basilika Dreifaltigkeit in Bern eine Orgelputzete nötig: Die rund 600 Pfeifen der kleinen Renaissance-Orgel wurden einzeln gereinigt. Marco Fratti, der die Orgel 2008 zusammen mit zwei weiteren Fachleuten gebaut hat, war dazu eigens aus Modena (I) angereist. Mit viel Sorgfalt, Druckluft und Pinsel befreite er die Pfeifen vom Staub, der sich in deren Innern abgelagert hatte. Ein zweites Mal werde er diese Orgel nicht reinigen, sagte er lachend gegenüber dem «pfarrblatt»: «Basta!» Für die nächste Reinigung in 17 Jahren müsse ein anderer her…

 

Charles Martig verlässt Landeskirche Bern

 

«Basta», sagt auch Charles Martig, Leiter Aufbau Kompetenzzentrum bei der Landeskirche des Kantons Bern. Er verlässt diese per Ende Jahr und geht in Frühpension. «Ich brauche nach einer intensiven beruflichen Phase vorderhand Stille und Freiraum», sagt er gegenüber dem «pfarrblatt». Der Theologe und Journalist hatte das Katholische Medienzentrum in Zürich aufgebaut und war von 2015 bis Ende März 2024 dessen Direktor. Seit April 2024 wirkte Martig als Leiter Aufbau des Kompetenzzentrums der Landeskirche Bern, nachdem er hier von März 2022 bis Februar 2023 bereits ein Mandat als Projektleiter für die Kommunikation innegehabt hatte. Martig plant denn auch vorerst ein Sabbatical. 

 

Ob Papst Leo XIV. eher ein Bewahrer oder ein Erneuerer ist, lässt sich wohl derzeit noch nicht sagen. Für Mario Galgano, Schweizer Redaktor bei Vatican News, ist er beides, wie er im Interview mit dem «pfarrblatt» sagt. In Sachen Pflichtzölibat oder Frauenpriestertum erwartet Galgano kaum Neuerungen von Leo. Jedoch ist dieser als Mathematiker durchaus offen und sachkundig wenn es um neue Technologien wie etwa Künstliche Intelligenz geht. 

Mut zum Experiment

Um die Frage, wie die Kirche zukunftsfähig bleiben kann, ging es im Referat von Bischof Felix Gmür an der Fachtagung für Diakonie. Diese fand am 19. August in Bern statt. Gmür plädierte für eine synodale, partizipative und diakonische Kirche. Dazu brauche es allerdings Mut zum Experiment, das Arbeiten in gemischten Teams auf Augenhöhe und nicht zuletzt eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung insbesondere im Bereich der Diakonie. Dies wurde in den Diskussionen der Teilnehmenden deutlich.  

 

Ein eindrückliches Zeugnis gelebter Diakonie auch ausserhalb der Kirche vermittelt das Portrait der Berner Autorin Karin Hofmann. Sie reiste mit dem IKRK in Kriegsgebiete, beriet Häftlinge in Schweizer Gefängnissen und unterstützte Obdachlosen bei der Suche nach einer Wohnung. Nach einem ersten Buch mit autobiografischen Erinnerungen betritt sie nun belletristisches Neuland: Ihr erster Roman «Leo Sola» erscheint Ende August, die Vernissage findet am 10. September um 18.30 Uhr im DOCK8 in Bern statt.

Ich wünsche Ihnen ein geruhsames Wochenende und ein gutes Gespür dafür, wann Bewahren und wann Erneuerung angesagt ist. 

Herzlich

Sylvia Stam

«pfarrblatt»-Redaktorin

Der Inhalt des Newsletters gibt die persönliche Meinung der Autorin wieder.