Kürzlich bin ich auf einer Wanderung in der «Zeitschlaufe Laupen» gelandet. Die 31 Kilometer lange Rundtour lädt ein, sich über das Phänomen der Zeit Gedanken zu machen. Auf einer Tafel steht ein Napoleon zugeschriebenes Zitat: «Es gibt Diebe, die nicht bestraft werden und einem doch das Kostbarste stehlen, die Zeit.» Wer oder was raubt uns Zeit? Wann ist Zeit verschwendet? Können wir verlorene Zeit wiederfinden? Was ist geschenkte Zeit und was bezahlte? Ist Auszeit jenseits der Zeit? Was ist Zeitlosigkeit? Wann ist die Zeit gut, wann schlecht und wann richtig? Was ist die beste Zeit? Wann ist höchste Zeit und wieviel Zeit bleibt uns?
Zeit, so heisst es, sei die physikalische Grösse, welche am genauesten gemessen werden kann. Gleichwohl ist sie relativ und nicht fassbar, sondern eine Ordnung von vorher, jetzt und nachher. Der physikalisch messbaren Zeit steht die erlebte Zeit gegenüber, welche, das kennen wir alle, völlig anders tickt. Mit der Zeit wird die Zeit immer wichtiger. Das gilt mit zunehmendem Alter, aber auch in kritischen Krankheitssituationen, ganz besonders auf der Intensivstation. «Wir geben der Patientin noch etwas Zeit», heisst es manchmal in den Angehörigengesprächen. Der Blick auf die Uhr hilft beim Warten kaum, die Zeit verrinnt endlos bis zum nächsten Bescheid. In der Zwischenzeit helfen Austausch, Ablenkung und Selbstsorge. Manchmal geschieht mit der Zeit Heilung. Für andere ist es Zeit zum Abschiednehmen.
Eine besondere Zwischenzeit ist die von Weihnachten bis zum Dreikönigstag. Sie ist auch unter dem Namen «Raunächte» bekannt und stammt aus der germanisch-keltischen Tradition. Sie umgibt ein reichhaltiges Brauchtum wie Räucherrituale als Schutz vor den in der dunklen Jahreszeit angsteinflössenden Geistern. Die Raunächte laden ein, in sich zu gehen, Altes zu verabschieden und Wünsche fürs neue Jahr zu bedenken. Ein Ritual ist, zwölf Wünsche aufzuschreiben, alle Notizen bis auf einen unbesehen zu verbrennen und sie so dem Schicksal oder Gott zu übergeben. Der zuletzt übriggebliebene ist derjenige, dem wir im neuen Jahr unsere Aufmerksamkeit schenken. Ob mit oder ohne Ritual, nehmen wir uns genügend Zeit, darüber nachzudenken, was uns wichtig ist und widmen wir diesen Dingen 2026 ausreichend Zeit.
Monika Mandt, Seelsorgerin im Inselspital