An der Abschiedsfeier für eine Seelsorgekollegin flüsterte mir eine eingeladene Inselmitarbeiterin anerkennend zu: «Ihr Seelsorgenden findet immer so stimmige, wohltuende Worte. Das kann niemand wie ihr, das ist so wertvoll.» Auch mich hatte die Ansprache sehr berührt. Mir ging durch den Kopf, wie herausfordernd es oft ist, in existenziell anspruchsvollen Situationen die «richtigen» Worte zu finden.
Worte können wohltun und das Herz aufgehen lassen, aber auch völlig daneben liegen und verletzen. Sie können geflüstert, sanft und zärtlich sein, ebenso aber verletzend und böse. Manchmal fehlen sie, bleiben im Hals stecken, kommen nur stammelnd hervor oder brechen laut und schreiend heraus. Dann wieder klingen sie freudig und jauchzend. Worte können anerkennen, Leid und Unrecht benennen, aber auch rechtfertigen, beschuldigen und sich bisweilen in nichtssagendem Blabla verlieren.
Während der Eucharistiefeier sprechen wir den Vers aus Matthäus 8,8: «Sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund.» Oft wünschen sich Patient:innen heilende Worte, Texte aus der Bibel und einen göttlichen Segen, mit denen das Unheil abgewendet werden soll. Auch Mitarbeitende setzen auf die Kraft der Worte von uns Seelsorgenden.
Vor einiger Zeit wurde ich zu einer Patientin gerufen, die eine schwere Diagnose erhalten hatte. Die Pflegeperson meinte, es würde ihr guttun, wenn ich mit ihr sprechen würde. Die Frau lag in ihrem Bett, den Blick starr an die Decke gerichtet. Ich sprach sie behutsam an, sie schaute mit grossen Augen zu mir hin und wandte den Blick schnell wieder ab. Kein Wort kam über ihre Lippen. Sie schien weder reden noch etwas hören zu wollen. Ich wartete und sagte dann zu ihr: «Sie müssen gar nichts sagen. Und ich muss auch nicht sprechen. Ich kann einfach eine Zeit dableiben und mit ihnen aushalten, was ist.» Daraufhin begann sie bitterlich zu schluchzen. Nach einer Weile hörte sie auf und schaute mich ruhig an. Sie nahm sanft meine Hand und sagte nur ein Wort: «Danke.» Wir hielten uns einen Moment lang die Hände, dann nickten wir uns zu und ich ging wortlos aus dem Zimmer.
Schweigen kann sehr vernichtend sein. Manchmal jedoch sind keine Worte richtig. Dann hilft zuweilen ein gemeinsames Schweigen in wortloser Stille.
Monika Mandt, Seelsorgerin im Inselspital