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Wenn sich Kinder Gott vorstellen, gehört auch ein Engel dazu. Foto: zVg

Wie denken Kinder heute über Gott?

Als unsichtbarer Schutzengel, als Mensch in den Wolken oder als gar nicht existent – so stellen sich sechs Kinder aus Bern und Umgebung Gott vor.

Susanna Stalder 

Hier erzählen sie, wann sie Gott spüren, ob sie an ein Leben nach dem Tod glauben und was sie mit dem christlichen Glauben am stärksten verbinden. 

Joseph (9 Jahre)

«Lieb, nett und hilfsbereit, so stelle ich mir Gott vor. Und auch, dass er die Welt gemacht hat. Er hilft mir zum Beispiel, wenn ich im Einshockeymatch verliere, und dass wir beim nächsten Mal gewinnen. Gott hilft mir auch, wenn mich Kinder auslachen. Er hat mir Mut gemacht, als ich in der Badi zum ersten Mal vom 5-Meter-Brett gesprungen bin. Ich bin froh, dass immer jemand bei mir ist.

Was mir in der Kirche nicht gefällt: lange still zu sein. Was mir in der Kirche gefällt: wenn wir eine Kerze anzünden. Dann denke ich an meine Urgrossmutter. Ich war sehr traurig, als sie gestorben ist. Einmal habe ich mir in der Tagesschule ein Lied angehört, und da musste ich plötzlich weinen. Doch ich weiss: Ich sehe sie nicht, aber sie sieht mich.»


Julian (10 Jahre)

«Ich glaube nicht an Gott. Ich kann mir nichts vorstellen, das für immer lebt, das unendlich ist. Und wenn man zum Beispiel darum bittet, dass es keine Obdachlosigkeit mehr gibt, ändert sich trotzdem nichts. Wenn ich traurig bin, treffe ich mich zum Beispiel mit einem Freund.

Das Wort Gott kommt manchmal in Liedern vor. Wenn meine Mutter früher Schlaflieder gesungen hat, hat es mir geholfen, ruhig zu werden. An Weihnachten finde ich schön, dass die ganze Familie zusammen ist und es Geschenke gibt. Die Weihnachtsgeschichte kenne ich, ich denke aber nicht, dass sie so passiert ist. Wahrscheinlich hat sie jemand erfunden. Niemand würde doch weitererzählen, dass an dem Tag ein Kind auf die Welt gekommen ist. 

Bei einem WM-Spiel habe ich gesehen, wie die Ägypter nach der Halbzeit gebetet haben. Sie haben 1:0 gegen Argentinien geführt, vielleicht haben sie sich bei Gott bedankt.»


Caroline (7 Jahre)

«Für mich ist Gott ein Mensch, der aus den Wolken herausschaut. Mit blauem Hemd, weissem Bart und weissen Haaren. In einem Buch über die Arche Noah ist er so gezeichnet. Ich spüre ihn vor allem, wenn ich wütend über etwas bin. Dann denke ich: Ajajaj, Gott, warum hast du das gemacht! Denn er bestimmt ja das ganze Leben. Wenn ich ihn etwas fragen könnte, wäre es: Warum können wir nicht zaubern? 

Ich habe auch einen Schutzengel. Ich stelle ihn mir mit weissem Gewand, blonden Locken und blauen Flügeln vor. Bei meinem Grossmami beten wir manchmal. Ich weiss nicht mehr, was wir da sagen, aber es ist schön. Ich bin gerne in der Kirche, besonders, wenn man Kerzen ziehen oder beim Krippenspiel dabei sein kann. Den Religionsunterricht liebe ich: ich finde es cool dort, und die Lehrerin ist mega nett. 

Die Natur hat mit Gott zu tun. Wir haben eine Taufbibel zu Hause, da sieht man, wie die Welt entsteht. Gott hat zuerst die Pflanzen, dann die Tiere, dann die Menschen gemacht. Mir gefällt auch die Geschichte von Moses, der als Baby im Schilfkorb versteckt wurde.»


Eléonore (10 Jahre)

«Für mich ist Gott wie ein Mensch, der  auf alle Menschen aufpasst und schaut, dass es ihnen gut geht. Also ich weiss, dass es nicht allen gut geht. Er schwirrt irgendwo im Himmel und ist gleichzeitig überall auf der ganzen Welt. Es gibt ihn trotzdem nur einmal. Ich spüre Gott besonders, wenn ich allein im Wald bin. Und eher, wenn ich glücklich bin. Zum Beispiel habe ich einmal einen Zwerg geschnitzt und nachgedacht. Da habe ich gespürt, dass Gott da ist, das war ein schönes Gefühl. In der KUW (Kirchliche Unterweisung, Anm. d. Red.) gefällt mir, wie wir in der Gruppe zusammen sind. Dann merke ich, Gott ist bei uns - das finde ich cool. 

Kürzlich habe ich bei einer Wanderung mit meiner Mutter über Gott geredet, wie es früher war und was die Leute dazu denken. Wir haben eine Gedenkstelle mit einer Jesusfigur gesehen, und es hat mich interessiert, was das ist. 
Ich stelle mir vor, dass die Verstorbenen in einer anderen Form noch da sind. Dass aus ihnen vielleicht neue Menschen hervorkommen. Oder dass sie im Himmel sind. So sind zum Beispiel meine Urgrosseltern, die ich gekannt habe, irgendwie immer noch in meiner Nähe.

Einmal haben meine Freundinnen zu mir gesagt: Ach, diesen Gott gibt es doch gar nicht! Das habe ich ein bisschen blöd gefunden, denn für mich gibt es ihn halt. Ich habe meine Meinung gesagt und sie ihre, danach haben wir über etwas anderes geredet.»


Oliver (5 Jahre)

«Ich kann nicht wissen, was Gott ist – ich bin ja ein kleines Kind. In Tunelesisch, der Sprache in meinem Fantasieland, bedeutet Gott Fenster. Und Engel wohnen in einem Gondeli, und die Gondeli haben ein Fenster. 

Ich freue mich auf Weihnachten, weil wir da zum Grossmami gehen und Wunderkerzen anzünden. An Weihnachten ist Jesus geboren. Später ist er gestorben und auferstanden. Ich war schon in vielen Kirchen, zum Beispiel im Val Müstair mit meinem Papa und seinem Chor. Ich habe aber noch nie am Kopf ein Kreuz mit Wasser gemacht. 
Wenn man stirbt, lebt man nie mehr. Mein Grossonkel ist nicht im Himmel, er ist in der Erde. Ich habe es gesehen, denn ich durfte Wasser und Blumen darauf tun.»


Robin (10 Jahre)

«Gott ist für mich ein unsichtbarer Schutzengel. Er würde mich zum Beispiel beschützen, wenn ich im Seilpark abrutsche. Wenn ich ihn etwas fragen könnte, wäre das: Hast du eine sichtbare Gestalt? 

Wir machen jeweils beim „Adventsfenster“ im Quartier mit. Letztes Jahr habe ich dabei mit einer Freundin Weihnachtslieder vorgespielt und vorgesungen. Mein liebstes ist „Ehre sei Gott in der Höhe“. Wie wir das Fest heute in der Familie feiern, ist mir wichtiger als die Weihnachtsgeschichte selbst. 
Ich denke, dass ein Tier, das gestorben ist, in einem verwandten Tier weiterlebt. Also eine Katze vielleicht als Löwe. Ich war traurig, als unsere Nachbarskatze gestorben ist. Als plötzlich ein starker Regen eingesetzt hat, habe ich gesagt: Jetzt ist sie im Himmel angekommen. 

Mit dem Kinderchor singen wir ab und zu im Gottesdienst. Jede Kirche finde ich anders beeindruckend. Bei den alten Kirchen staune ich, wie die Leute es geschafft haben, sie zu errichten. Ob ich manchmal zu meinem Schutzengel bete? Höchstens einmal in fünf Jahren!“Gott ist für mich ein unsichtbarer Schutzengel. Er würde mich zum Beispiel beschützen, wenn ich im Seilpark abrutsche. Wenn ich ihn etwas fragen könnte, wäre das: Hast du eine sichtbare Gestalt? 

Wir machen jeweils beim „Adventsfenster“ im Quartier mit. Letztes Jahr habe ich dabei mit einer Freundin Weihnachtslieder vorgespielt und vorgesungen. Mein liebstes ist „Ehre sei Gott in der Höhe“. Wie wir das Fest heute in der Familie feiern, ist mir wichtiger als die Weihnachtsgeschichte selbst. 
Ich denke, dass ein Tier, das gestorben ist, in einem verwandten Tier weiterlebt. Also eine Katze vielleicht als Löwe. Ich war traurig, als unsere Nachbarskatze gestorben ist. Als plötzlich ein starker Regen eingesetzt hat, habe ich gesagt: Jetzt ist sie im Himmel angekommen. 

Mit dem Kinderchor singen wir ab und zu im Gottesdienst. Jede Kirche finde ich anders beeindruckend. Bei den alten Kirchen staune ich, wie die Leute es geschafft haben, sie zu errichten. Ob ich manchmal zu meinem Schutzengel bete? Höchstens einmal in fünf Jahren!»