Widerstände begleiten uns durchs ganze Leben. Wir können ihnen kaum ausweichen; früher oder später holen sie uns ein. Und sie zeigen sich vielfältig: Was für mich ein echter Widerstand ist, mag für eine andere Person ganz anders aussehen. Jede und jeder definiert sie ein Stück weit selbst. Wie ist Jesus mit Widerständen umgegangen? Sein Leben war reich an Spannungen, Missverständnissen und Gegenwind. Faszinierend ist nicht, dass er ihnen entkam, sondern wie er ihnen begegnete: nicht mit Flucht, sondern mit Einladung.
Ein Beispiel dafür ist Petrus. Er widersprach Jesus mehr als einmal, stellte sich quer, meinte es gelegentlich besser zu wissen. Ich kann mir vorstellen, wie anstrengend das gewesen sein muss – besonders dann, wenn Petrus Jesus offen in die Quere kam. Jesus hätte ihn ignorieren können. Er hätte ihn zurechtweisen und auf Abstand halten können. Stattdessen nahm er Petrus mit in seinen Denk- und Lernprozess hinein. Jesus führte Petrus auf den Berg der Verklärung, liess ihn nahe an sein Herz und war transparent in Worten und Taten. Er gab Petrus Raum zu ringen, zu fragen, sogar zu scheitern – und formte ihn gerade dadurch. Nähe statt Ausschluss. Dialog statt Abwehr. Prozess statt Perfektion. Was nehme ich daraus mit? Widerstände zu ignorieren, macht sie nicht kleiner. Sie bleiben, bis wir sie in unseren Weg integrieren. Widerstände umarmen heisst nicht, ihnen recht zu geben. Es heisst, sie ernst zu nehmen – als Hinweis, als Einladung, als Teil des Lernens.
- Widerstände mitnehmen: Sie nicht wegdrücken, sondern benennen.
- Widerstände prüfen: Was wollen sie mir zeigen – Angst, Werte, Grenzen, blinde Flecken?
- Widerstände einbeziehen: Sie in meinen Denkprozess integrieren, damit sie verwandelt statt verdrängt werden.
So werden Widerstände nicht zum Stolperstein, sondern zur Werkstatt. Und manchmal – wie bei Petrus – werden aus den grössten Reibungen die tragfähigsten Beziehungen und die tiefste Reife.