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Weiterziehen lassen

Aki-Kolumne von Benjamin Svacha

Immer wieder finden Studierende den Weg ins aki, die gerade in einer besonderen Lebensphase sind: Sie müssen ihre Abschlussarbeit schreiben.

Es gehört zu meinen Lieblingsaufgaben in der Hochschulseelsorge, Studierende in dieser prägenden Zeit zu begleiten.

In meinem Philosophiestudium habe ich selbst zahlreiche Arbeiten und Essays geschrieben und mit all den dazugehörigen Schwierigkeiten gekämpft: Man ist Einzelkämpfer, jede:r schreibt für sich an seinem eigenen Thema.
Man muss sich selbst motivieren, am frühen Morgen (oder am späten Abend) in eine Bibliothek zu gehen, ausgestattet nur mit Laptop und den wichtigsten Büchern. Man muss den Frust aushalten, wenn Tage nicht wie geplant verlaufen, wenn man plötzlich hinter dem Zeitplan liegt und eigentlich keine Ahnung hat, wie man das noch schaffen soll.
Man muss einen Umgang mit den Vorwürfen finden, die man sich selbst macht. Warum habe ich nicht früher angefangen?  Warum habe ich gestern Fussball geschaut? Warum bin ich nicht weiter, warum ist mein Text nicht besser? Es ist niemand da, dem man die Schuld dafür geben kann, dass die Arbeit so läuft, wie sie eben gerade läuft.

Mit dieser Situation umzugehen, ist herausfordernd. Aber gerade deshalb auch lehrreich: Wer es schafft, seine Abschlussarbeit abzuschliessen, hat viel mehr erreicht, als «nur» einen Text zu schreiben. Er oder sie hat bewiesen, dass man Ausdauer hat, mit Krisen umgehen kann, diszipliniert genug ist, sein Leben über Monate hinweg selbst zu organisieren und an einer Aufgabe dranzubleiben, auch wenn man gerade feststeckt.

Und dann gibt es diese, andere, ganz stimmige Seite der Abschlussarbeit, um die ich die Studierenden manchmal etwas beneide: Man sitzt spätabends in der fast ausgestorbenen Bibliothek, ganz vertieft ins Thema. Wann sonst hat man die Möglichkeit, über so lange Zeit hinweg einer bestimmten, meist selbst ausgewählten Frage nachzugehen?
Stunden über Stunden alles über ein Thema lesen zu können? 
Über mehrere Monate hinweg hat man im Leben eine grosse, wichtige Aufgabe und ein klares Ziel vor Augen. Noch diese Arbeit und dann ist ein grosser Meilenstein in meinem Leben geschafft, das Studium abgeschlossen.

Das macht etwas wehmütig: Mit manchen Studierende habe ich viele gute Gespräche geführt, wir haben gemeinsam Krisen durchgestanden. Andere waren an drei, vier Tagen pro Woche im aki, um hier selbstständig an ihrer Arbeit zu schreiben und gehören schon fast zum Team. Und dann, obwohl alle darauf hinarbeiten, kommt es doch etwas überraschend: Die Arbeit ist fertig, das Studium abgeschlossen. Über Nacht endet ein Lebensabschnitt.

Für die Studierenden, aber ein wenig auch für uns im aki. Das gehört (leider) auch zu meinem Job -  junge Menschen kommen und gehen, man ist nur für eine begrenzte Zeit in Kontakt. Dann geht jede:r seines Weges.

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