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Eine muss anfangen, nein zu sagen: Im Buch Ester ist dies die Königin Waschti. Foto: unsplash.com

Waschti und Ester: Zwei mutige Frauen

Im Buch Ester geht es um sexualisierte Gewalt, um Machtmissbrauch und Feindschaft gegenüber Jüdinnen und Juden. Und um zwei Frauen, die sich dagegenstellen.


Das Buch Ester ist neben den Büchern Rut und Judit eine der drei biblischen Schriften, die den Namen einer Frau als Titel tragen. Es erzählt die märchenhafte Geschichte der jungen Jüdin Ester, die als Waise in der persischen Residenzstadt Susa bei ihrem Cousin lebt und zur Königin aufsteigt. 

Widerstand gegen die Bedrohung jüdischen Lebens 

Esters Geschichte nimmt eine dramatische Wendung, als der mächtige Haman, ein Günstling ihres königlichen Gemahls, im gesamten Reich die Vernichtung aller Jüdinnen und Juden anordnen lässt. Der Grund: Mordechai, Esters Cousin, hatte sich geweigert, sich vor ihm huldigend niederzuwerfen. Per Los (pur) wird der Tag des Pogroms festgelegt. Die einzige Chance auf Rettung liegt bei Ester, der Königin und Jüdin. 

Todesmutig wagt sie es, ungerufen beim König zu erscheinen. Es gelingt ihr, die mörderischen Absichten Hamans aufzudecken und ihn auszuschalten. Ein Gegen-Dekret gibt den Jüdinnen und Juden die Möglichkeit, sich gegen diejenigen zur Wehr zu setzen, die den Vernichtungsplan Hamans in die Tat umsetzen wollen. Es ist damit auch eine Geschichte von Gewalt und Gegengewalt. 

Im Zentrum steht aber die Rettung der tödlich bedrohten Jüdinnen und Juden. Zur Erinnerung an diese Rettung wird das Purim-Fest eingesetzt, das «Fest der Lose», das im Judentum bis heute gefeiert wird. 

Widerstand gegen sexualisierte Gewalt 

Das Buch setzt allerdings nicht mit Ester ein, sondern mit Waschti, die vor Ester die Frau des persischen Königs war. Sie betritt die Erzählung im Rahmen einer Machtdemonstration des persischen Königs, der hintereinander zwei gigantische Festmähler für alle Mächtigen seines Reiches und seines Palastes gibt und dabei seine Macht und seinen Reichtum zur Schau stellt. 

Nach reichlichem Weingenuss kommt der König am letzten Tag des zweiten Festgelages auf die Idee, den anwesenden Gästen seine schöne Frau Waschti vorzuführen. Dabei soll sie das königliche Diadem tragen, das Zeichen ihrer Königswürde – und gleichzeitig das Zeichen dafür, dass sie das «Glanzstück» der Macht des Königs ist. Doch Waschti weigert sich, sich auf diese Weise zur Schau stellen zu lassen. 

Dies erzürnt den König so sehr, dass er Waschti als Königin verstösst. Interessant ist die Begründung: Wenn andere Frauen von Waschtis Weigerung hörten, würden sie ebenfalls anfangen, sich ihren Ehemännern zu widersetzen (Ester 1,17–18). Damit geriete die gesellschaftliche Ordnung ins Wanken. Selbstbewusste Frauen, die entwürdigenden Übergriffen Grenzen setzen und sich nicht zum Objekt machen lassen, sind offenbar eine grosse Gefahr. 

Waschti bezahlt mit dem Verlust ihrer Stellung als Königin einen hohen Preis. Aber eine muss anfangen, nein zu sagen, damit sich etwas verändern kann. Die Themen, die im Esterbuch zur Sprache kommen, haben bis heute nicht an Relevanz verloren.
 

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