Artikel

Ein klassischer «Kräuterbuschen» wird nach bestimmten Zahlenregeln gebunden. Foto: zVg

Warum werden an Maria Himmelfahrt Kräuter gesegnet?

Tradition der Kräuterweihe

Diakon Martin Tanner, Pastoralraum Emmental

Die Tradition der Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt ist eine spannende Mischung aus christlicher Legende, praktischer Erntezeit und alten Bräuchen. Drei Hauptgründe stecken hinter diesem Brauch.

Die Legende vom leeren Grab

Laut einer altchristlichen Überlieferung (zurückgehend auf den Kirchenvater Johannes von Damaskus) öffneten die Apostel drei Tage nach dem Tod Marias ihr Grab. Doch statt ihres Leichnams fanden sie Blüten und wohlriechende Heilkräuter wie Rosen und Lilien vor, welche einen wunderbaren Duft verströmten als Zeichen ihrer Aufnahme in den Himmel.

Die Blütezeit der Heilkräuter («Frauendreissiger»)

Mitte August steht die Natur in voller Kraft: Die meisten Wild- und Heilkräuter enthalten um den 15. August herum die höchste Konzentration an Ätherischen Ölen und Wirkstoffen. Der 15. August markiert traditionell den Beginn des sogenannten «Frauendreissigers» – einer 30-tägigen Phase, die im Volksglauben als beste Sammelzeit der Frauen für Heilpflanzen galt.

Verbindung mit den alten Erntedank-Traditionen

Schon vor der Christianisierung bedankten sich die Menschen im Hochsommer bei der Natur für die Heilmittel des Jahres und baten um Schutz vor Unwettern und Krankheiten im Winter. Die Kirche übernahm diesen Brauch ab etwa dem 8./9. Jahrhundert und deutete ihn christlich: Der Dank für die Kräuter gilt seither Gott als Schöpfer, verbunden mit der Fürsprache Marias.

Schon gewusst? Die Magie der Zahlen

Ein klassischer «Kräuterbuschen» wird nach bestimmten Zahlenregeln gebunden. Er besteht oft aus 7 (Tage der Schöpfung), 9 (3 × 3 für die Dreifaltigkeit), 12 (Apostel) oder gar 72 Kräutern (Zahl der Jünger). In der Mitte steht fast immer die imposante Königskerze.

Nach der Weihe wurden die Sträusse früher im Haus oder Stall aufgehängt, um Anwesen und Vieh vor Blitzschlag und Unheil zu schützen oder bei Krankheit Tee daraus zu kochen.