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Schautafeln mitten auf dem Friedhof erläutern Bräuche und Rituale rund um die Bestattung. Foto: Emanuel Ammon/Stiftung Feuerbestattung 2026

Von Erde, Feuer und Wasser

Bis 1963 mussten verstorbene Katholik:innen beerdigt werden. Dennoch entstand vor 100 Jahren im katholischen Luzern ein Krematorium. Eine Ausstellung auf dem städtischen Friedhof gibt Einblick in die Bestattungskultur.

 

Wie möchten Sie dereinst bestattet werden? Kremation mit Beisetzung im Gemeinschaftsgrab? Verstreuen der Asche? Oder Erdbestattung? Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden Sie sich kremieren lassen: 90 Prozent aller Bestattungen auf den städtischen Friedhöfen von Luzern waren 2025 Kremationen. 45 Prozent der Urnen wurden im Gemeinschaftsgrab, 35 Prozent im Urnengrab und 20 Prozent anderswo beigesetzt. Lediglich 10 Prozent der Verstorbenen wünschten eine Erdbestattung (Berner Zahlen siehe Infobox). Diese Zahlen sind an der Freiluftausstellung «Frieden im Tal» zu erfahren, die aktuell auf dem Friedhof Friedental in Luzern zu sehen ist. Anlass ist das 100-Jahr-Jubiläum des dortigen Krematoriums. Die Ausstellung zeigt anhand von Schautafeln in Bild und Text den Wandel des gesellschaftlichen Umgangs mit dem Tod. Sie widerspiegelt ausserdem den Einfluss von Kirche und Religion auf Bestattungsformen.

Liberale Kreise wollten Krematorium 

So erfahren Besucher:innen gleich beim Eingang des Friedhofs, dass «Andersgläubige» erstmals 1782 eine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof des damaligen Bürgerspitals fanden. Als 1885 der städtische Friedhof Friedental eröffnet wurde, war es Katholik:innen noch nicht erlaubt, sich kremieren zu lassen (siehe Infobox). Gleichwohl wurde eine Parzelle für den Bau eines Krematoriums freigelassen, denn 1876 war in Mailand das erste Krematorium Europas eröffnet worden, 1886 folgte in Zürich das erste in der Schweiz.

Erst 40 Jahre später wurde das Luzerner Krematorium eingeweiht. Treibende Kraft dahinter waren vor allem liberale Kreise. Dazu gehörte auch der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Carl Spitteler. Zwar befand sich das Krematorium noch im Bau, als er 1924 starb. Doch weil der Ofen schon betriebsbereit war, konnte der reformierte Theologe gemäss seinem Wunsch eingeäschert werden. 

Beim Zweiten Vatikanischen Konzil 1963 hob Rom das Kremationsverbot für Katholik:innen auf. 20 Jahre später liess sich bereits die Hälfte der mehrheitlich katholischen Bevölkerung der Stadt Luzern kremieren. 2005 wurde das alte Krematorium aus Gründen der Lufthygiene durch eine neue Anlage ersetzt. 

Muslime, Jüdinnen, Hindus

Die Schautafeln führen die Besucher:innen direkt auf den Friedhof und schliesslich ins alte Krematorium. Informationen zur Geschichte der Bestattung wechseln sich ab mit Reflexionsfragen: Eine eindrückliche Auswahl an Urnen etwa – wasserlöslich, mit integrierter Kerze oder biologisch abbaubar – wirft Fragen zum eigenen Ableben auf. 

Unterwegs erfährt man auch, welche Regeln rund um den Tod andere Religionen kennen. Jüdische Menschen, deren Leichnam nach religiöser Vorschrift nicht verbrannt werden darf, konnten in Luzern ab 1887 nach ihren Riten beerdigt werden. Erst seit 2008 gibt es im Friedental ein Grabfeld für muslimische Verstorbene, deren Gesicht im Grab nach Mekka ausgerichtet werden soll. Hindus wiederum, deren Leichnam in Indien meist auf einem Scheiterhaufen eingeäschert wird, werden hierzulande kremiert. In Luzern haben sie seit 2012 die Möglichkeit, ihre Asche an einer vorgegebenen Stelle der Reuss zu übergeben.

«Frieden im Tal», Freiluftausstellung bis 15.11., täglich von 9-17 Uhr geöffnet. Friedhof Friedental, Friedentalstrasse 60, Luzern.

Dieser Text erschien zuerst im Kantonalen Pfarreiblatt Luzern.

 

 

 

 

Bestattungsformen in Bern

Die Stadt Bern erhielt 1908 ein Krematorium. 2025 entfielen 84 Prozent der Bestattungen auf Kremationen: 46 Prozent im Gemeinschaftsgrab, 37 Prozent im Urnengrab und 7 Prozent anderswo. Erdbestattungen machten 16 Prozent aus. Einen jüdischen Friedhof gab es bereits im Mittelalter, seit 1871 liegt er beim Wankdorfstadion. Auf dem Bremgartenfriedhof gibt es seit 2000 muslimische Grabfelder, seit 2018 buddhistische und seit 2019 einen Hindu-Abdankungstempel. Die Asche von Hindus wird an einer Stelle in der Aare verstreut.

Die Haltung des Vatikan

Der Vatikan verbot 1886 die Kremation. Begründet wurde dies mit dem Glauben an die leibliche Auferstehung der Toten.  Die Grablegung Christi diente als Vorbild für die Erdbestattung. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erlaubte der Vatikan 1963 die Feuerbestattung mit der Begründung, dass der körperliche Zerfall die Auferstehung als Neuschöpfung nicht beeinträchtige. Ein Dekret von 2016 empfiehlt weiterhin die Erdbestattung. Urnen sollen aus Ehrfurcht vor den Leibern der Verstorbenen auf Friedhöfen beigesetzt und die Asche weder zu Hause gelagert noch verstreut werden.