«Betest du?» Diese Frage sei heutzutage ähnlich indiskret wie die Frage, ob jemand sich selbst befriedige, las ich vor einigen Jahren in einem Artikel.
Der Vergleich irritierte mich im ersten Moment, und doch drückt er etwas Wahres aus: Beten gilt in einer säkularen Welt als so intim, dass schon die Frage danach indiskret sein kann. Umgekehrt fällt es betenden Menschen oft schwer, darüber zu reden.
Ich kenne das aus eigener Erfahrung: Es fällt mir leichter, einem Menschen in Not zu sagen: «Ich denke an dich» als: «Ich bete für dich». Umso schöner, dass die Menschen in unserem Beitrag zum Bettag ganz offen über ihr Gebetsleben sprechen. Dabei kommt eine erstaunliche Vielfalt zusammen: Beten als persönliche Verbindung zu Gott, als Ritual zum Tagesabschluss, als Formulieren von Bitten oder Dank, als Hören auf Gott.
Diese Menschen ermutigen mich, über mein Gebetsleben zu sprechen. Gleichzeitig bestärkt mich die Vielfalt der Gebetsformen darin, dass auch der Gedanke an einen anderen Menschen, das Mitgehen in seinem oder ihrem Leiden, eine Form des Gebets ist, ohne Gott explizit zu benennen.