Migration ist heute ein Thema, das unsere Gesellschaft bewegt – und damit auch unsere Kirche. Menschen kommen aus verschiedenen Ländern, sprechen unterschiedliche Sprachen, bringen eigene Geschichten, Erfahrungen und Formen des Glaubens mit. Auch im Oberaargau wird diese Vielfalt sichtbar und hörbar. Die anderen Sprachen, Kulturen und Erfahrungen, denen wir begegnen, können unseren eigenen Blick auf die Welt und auf unseren Glauben verändern.
Unser Pastoralraum ist eine vielsprachige katholische Gemeinschaft. Das klingt zunächst wie eine Selbstverständlichkeit, denn «katholisch» bedeutet universell, allumfassend; eine Kirche, die niemanden aufgrund seiner Herkunft, Sprache oder Kultur ausschliesst. Und doch ist diese Katholizität nichts, was wir einfach besitzen. Wir müssen sie immer neu lernen.
Denn «katholisch sein» kann auf unterschiedliche Weise verstanden werden: Im dogmatischen und lehrmässigen Sinn als Bekenntnis zu bestimmten Glaubenswahrheiten, Lehren und Traditionen. Das ist wichtig und gehört wesentlich zur Identität der Kirche. Aber vielleicht erschöpft sich darin das Katholische nicht.
Man kann «katholisch» auch verstehen als die Fähigkeit, synodal zu leben und Raum zu geben für Menschen, die anders sprechen, anders beten, andere Traditionen kennen und andere Erfahrungen mit Kirche gemacht haben. Raum für das, was uns zunächst fremd erscheint. In diesem Sinn ist Katholizität nicht etwas, das wir definieren, sondern etwas, das wir leben. Gerade hier liegen Herausforderung und Chance. Vielleicht bedeutet das auch, dass jeder und jede von uns die eigene Katholizität neu lernen darf: indem wir zuhören und uns irritieren lassen.
Unser Pastoralraum darf eine Gemeinschaft in Verschiedenheit nicht als Hindernis, sondern als Reichtum erfahren. Migrantinnen und Migranten sollen dabei nicht nur als Menschen gesehen werden, die «bei uns» ankommen, sondern als Menschen, die unsere Kirche mitgestalten und bereichern. Eine vielsprachige Kirche ist vielleicht nicht immer die bequemste Kirche. Sie verlangt Geduld, Offenheit und die Bereitschaft, nicht alles sofort zu verstehen; sie verlangt eine gewisse … Katholizität.