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Dialog mit Gott in der Volkssprache. / Bild: Canva

«Verstehst du auch, was du feierst?»

Seit 60 Jahren ist es erlaubt, in Gottesdiensten nicht nur Latein, sondern die jeweilige Volkssprache zu sprechen. Aber verstehen wir, was wir feiern?


Was uns heute selbstverständlich erscheint, war damals ein epochaler Schritt. Zwar gab es schon vor dem Konzil volkssprachliche Elemente in der Liturgie, etwa bei der Taufe oder der Trauung; im deutschen Sprachgebiet feierte man mancherorts sonntags eine deutsche Vesper. 

Seit Jahrhunderten aber erachtete die römische Kirche nur das Latein als der Liturgie würdig; es zählte zusammen mit Hebräisch und Griechisch zu den «heiligen Sprachen».

Dialog zwischen Menschen und Gott

Der Entscheid zugunsten der Volkssprachen war konsequent: Wenn alle, die zum Gottesdienst versammelt sind, die Liturgie mittragen, wenn sie «tätig, bewusst und voll» daran teilnehmen sollen, wozu sie, wie das Konzil sagt, «kraft der Taufe berechtigt und verpflichtet» sind (Liturgiekonstitution Nr. 14), dann setzt dies voraus, dass sie verstehen, was gesagt wird, und dass sie die Möglichkeit haben, darauf in ihrer jeweiligen Sprache, ihrer Muttersprache, zu antworten. 

Es geht im Gottesdienst ja nicht darum, einen Text korrekt zu deklamieren oder ein sakrales Programm abzuspulen, sondern es geht um einen lebendigen Dialog, um die Begegnung zwischen Menschen und mit Gott.

Biblische Sprache

Auch in der Volkssprache bleibt Liturgie anspruchsvoll. Ihre Sprachspiele müssen erschlossen und eingeübt werden (etwa in der Katechese, in der Predigt, im Glaubensgespräch). Die zumeist biblischen Bilder, Motive und Begriffe stammen aus einer völlig anderen Kultur und werden immer ein Stück weit fremd bleiben. Doch sie sind für eine christliche Liturgie nicht aufgebbar. 

Wörter die «Gnade», «Heil», «Barmherzigkeit», sber auch biografisch und kirchengeschichtlich belastete Begriffe wie «Sünde» oder Opfer» lassen sich kaum eins zu eins ersetzen, ohne ihre Bedeutungsfülle zu schmälern und den Erfahrungsschatz von Generationen, den sie transportieren, zu verlieren.

Wir werden in der Liturgie immer wieder Wörtern und Formulierungen begegnen, die wir nicht unmittelbar verstehen, die uns befremden oder uns sogar anstössig erscheinen. Gerade dann bietet sich die Gelegenheit, mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen und im Idealfall eine Dimension des Glaubens für uns neu zu entdecken.


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