Das Werk des reformierten Berner Pfarrers und Dichters Kurt Marti (1921 – 2017) sei zu lebendig, um in Bücherregalen zu verstauben, heisst es in der Einladung zur Gründungsversammlung am 16. September. Der Förderverein möchte Martis Werk in der Öffentlichkeit präsent halten. Er will Aktivitäten unterstützen, die das Werk des Theologen zugänglich machen, verbreiten oder reflektieren, schreibt Mit-Initiant Guy Krneta auf Nachfrage. Denkbar seien sowohl eigene Projekte des Vereins als auch solche der Kurt Marti-Stiftung oder von Dritten.
Mit Projekten sind etwa Buchvernissagen gemeint, das Anstossen von Werkpublikationen, Crowdfunding-Aktionen anlässlich von Jubiläen oder ein Newsletter, der auf Buchpublikationen, Leseprogramme oder wissenschaftliche Arbeiten verweisen könnte.
Neuherausgabe eines vergriffenen Buches
Initiiert wurde der Verein von Guy Krneta, Autor und Spoken-Word-Künstler, Matthias Hui, Co-Redaktionsleiter der Zeitschrift «Neue Wege», und Carol Blanc, Schauspielerin, Sprecherin und Autorin. Die drei werden sich an der Gründungsversammlung als Vorstand zur Verfügung stellen und hoffen auf weitere Vorstandsmitglieder. Vereinsmitglied können alle Interessierten werden.
Im Anschluss an die Vereinsgründung findet die Vernissage von «Zärtlichkeit und Schmerz» statt, der Neuherausgabe eines bestehenden Werks von Marti aus dem Jahr 1979, das lange Zeit vergriffen war. Das Buch versammelt fragmentarische Gedankensplitter Martis, welche «die Zwischenbereiche des rational Fassbaren ausloten wollen», heisst es dazu im Klappentext.
Kooperationen möglich
Die Vernissage geschieht in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Voirol und der Zeitschrift «Neue Wege». Die Kooperation mit diesen beiden Einrichtungen betrifft laut Krneta nur die Vernissage, nicht den Verein an sich. Künftige weitere gemeinsame Kurt Marti-Veranstaltungen schliesst er dennoch nicht aus.
Die bereits bestehende Kurt Marti-Stiftung verfügt laut Krneta zwar über ein «recht bescheidenes» Stiftungskapital, dieses dürfe jedoch nicht angefasst werden. Neue Projekte müssten somit immer zusätzlich finanziert werden. Da die Stiftung keine Mitglieder hat, kann jedoch kein Mitgliederbeitrag erhoben werden. Die ehrenamtlichen Kapazitäten der Mitglieder des Stiftungsrates seien begrenzt. Die Stiftung verfügt über die Rechte am Werk Kurt Martis.
Hinweis: Vereinsgründung am 16. September, 18.00 Uhr, im Le CAP, Predigergasse 3, Bern. Buchvernissage der Neuherausgabe von Kurt Martis «Zärtlichkeit und Schmerz» von 19.00-20.30 Uhr.
Kurt Marti
Kurt Marti war evangelischer Theologe und Dichter. Von 1961 bis 1983 wirkte er als Pfarrer an der Nydeggkirche in Bern. Er war theologisch inspiriert von Dorothee Sölle und Karl Barth und engagierte sich ausserdem politisch gegen Atomwaffen und Atomkraftwerke. Marti war Mitbegründer der entwicklungspolitischen Organisation «Erklärung von Bern» (heute «Public Eye»). Aufgrund seines politischen Engagements verweigerte ihm der Regierungsrat des Kantons Bern 1972 eine Professur für Homiletik an der Universität Bern, wo er zur Wahl vorgeschlagen war. 1977 erhielt er den Ehrendoktortitel der Universität Bern. Marti publizierte als kritischer Literat Aufsätze, Gedichte und Aphorismen. Manche dieser Texte wurden als vertont.