Zeit.
Am Ende bleibt sie stehen.
Dazwischen rast sie oder dehnt sich.
Je nachdem.
Rückblickend verschwimmen Ereignisse und Begegnungen. Ein Arbeitstag reiht sich an den anderen. Pikettdienste, Einsätze aus dem Nichts – jähe Einbrüche, die Vergänglichkeit zeigen, fratzenhaft, schrecklich, banal, manchmal auch schön. Immer berührend. Es sind Momente, die Schicksale verändern, Leben bestimmen, Narben zurücklassen, prägend, bleibend, für immer.
Ich stehe dabei, nehme Anteil, halte aus, schweige, rede und teile die Endlichkeit, die uns Menschen trennt und vereint.
Es sind flüchtige Begegnungen. Das ist richtig so. Manchmal werde ich kaum wahrgenommen, manchmal kaum mehr gehen gelassen.
Wenn Tage vergehen und zu Wochen werden, wenn sich Jahre aneinanderreihen, passiert, wie gesagt, das mit dem Verschwimmen. Unweigerlich. Neues verlangt nach Aufmerksamkeit.
Da – mitten hinein – die Telefonzentrale. Ob es in Ordnung sei, Herrn F. durchzustellen.
Ja, Herr F., vor vier Jahren sei er hier gewesen, mit Frau und Bébé, er habe ausdrücklich mich verlangt.
Auf die Schnelle sagt er mir nichts, der Name.
Die Stimme auch nicht.
Doch nach ein paar Worten kehren Erinnerungsfragmente zurück. Es werden immer mehr, und sie werden klarer.
Ein Abschied.
Ihr Bébé, kaum da, verstorben.
Schmerz und Trauer.
Ob sie mit zeitlicher Distanz nochmals darauf zurückblicken wollen?
Wir treffen uns, und es kommt ganz anders, als ich meinte.
Ein Geschenk.
Was für eine Überraschung.
Auf dem Kleid farbige Stickereien.
Es stammt aus der Heimat von Frau und Herrn F.
Ich ziehe es an, zeige meine Freude, meine Rührung.
Sie waren wie eine von uns, damals, sagen sie mir.
Die Zeit bleibt stehen.
Ohne an ein Ende gelangt zu sein.
Und was war, verbindet sich, mit was ist
und sein kann.
Nadja Zereik, Seelsorgerin im Inselspital
Podcast zum Thema Seelsorge am Inselspital: www.haerzschlag.ch