Kennen Sie diese «Selbstbedienungskassen» im Supermarkt? In Deutschland, woher ich stamme, gibt es die noch nicht so flächendeckend wie in der Schweiz. Ich gehe gern zu diesen «Self-Check-outs», denn sie sind «unbeabsichtigt barrierefrei». Ich kann meine Waren selbst scannen und mit Karte bezahlen. Und ich muss nicht gut hören können dabei. Ich muss bei der Kassiererin nicht mehrfach nachfragen, wenn sie nach meiner Rabattkarte fragt, weil ich sie nicht verstehe. Und auch nicht, wenn sie mich fragt, ob ich eine Tüte möchte. Ich muss nicht auf das Display schielen, weil ich nicht verstanden habe, was ich zu zahlen habe.
Ich habe seit ein paar Jahren eine mittelgradige Hörminderung, sodass ich mich mit dem Thema Beeinträchtigung und Barrierefreiheit öfter befasse.
Es gibt noch weitere barrierefreie Entwicklungen, die mir helfen, ohne peinliches wiederholtes Nachfragen und Stress auf beiden Seiten etwas zu bestellen, zu reservieren oder zu buchen.
Bei den grossen Fast-Food-Ketten gibt es Bestellterminals, an denen ich das gewünschte Menu auswähle, bezahle und nur noch warten muss, bis meine Nummer an der Ausgabetheke angezeigt wird.
Ich bin froh, dass ich mein Zugbillett nicht mehr am Schalter buchen muss, weil ich den Menschen hinter der Glasscheibe nicht verstehe, wenn er nach der Sitzplatzreservierung fragt. Es gibt eine App, in der ich meine Reise buchen kann, auch ohne gut zu hören.
Eigentlich sind all diese «unbeabsichtigt barrierefreien» Möglichkeiten ja entwickelt worden, um Kosten zu sparen und Arbeitsplätze abzuschaffen, was ich eigentlich nicht gutheissen kann. Und natürlich sind Touchscreens und Bestellterminals für blinde Menschen keine Erleichterung, im Gegenteil. Muss ich ein schlechtes Gewissen haben?
Ich denke nein. Denn andererseits weiss ich, dass gesellschaftlich insgesamt immer noch zu wenig an Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung gedacht wird. Seien es Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehr, erleichterte Beteiligung am kulturellen und gesellschaftlichen Leben oder Förderung in der Ausbildung und am Arbeitsplatz.
Mein kleiner Tipp für alle Menschen mit Hörminderung: die Homepage von Pro Audito Schweiz – www.pro-audito.ch. Neben vielen hilfreichen Ratschlägen rund ums Hören gibt es eine Seite, auf der Restaurants bewertet werden, ob sie für Menschen mit Hörbehinderung empfohlen werden können.