Monika Jufer ist Sozialarbeitende mit Herz und Seele. Seit mehreren Jahren leitet sie die Sozialberatung für den Seelsorgeraum Bern Süd, der die Standorte Köniz, Schwarzenburg, Wabern, Kehrsatz und Belp umfasst. Ein geografisch ziemlich grosses Gebiet. Dies sei aber zugleich die Herausforderung. Denn allein könne man die Masse an Menschen gar nicht bewältigen.
«In vielen Bereichen sind wir mit unseren ökumenischen Partnerinnen unterwegs.» Nichtsdestotrotz sind die Ressourcen knapp, gemessen an den Herausforderungen, die immer grösser werden.
«Wir beraten Menschen, keine Fälle»
Während die Sozialberatung der Katholischen Kirche in der Stadt Bern zentral in der Mittelstrasse im Haus der Begegnung beheimatet ist, sind in den Pfarreien der Region, wie Köniz, Ostermundigen oder Zollikofen, die Sozialarbeitenden vor Ort. Auch wenn man dadurch manchmal zur Einzelkämpferin werde und wenig Möglichkeiten zum fachlichen Austausch habe, eröffnen sich umgekehrt in der Pfarrei andere Perspektiven. «Viele meiner Kolleg:innen in den Pfarreien haben mehrere Hüte auf. Sie machen neben der Einzelfallberatung auch Gemeinwesenarbeit, den Bereich Alter oder Freiwilligenbetreuung. Wir versuchen also, das gesamte System im Blick zu haben.» Dabei vermeidet Monika Jufer den Begriff «Einzelfallberatung». «Ich rede nicht so gern von Einzelfallberatung. Wir beraten Menschen, keine Fälle.»
Sozialberatung heisst, Perspektiven aufzeigen
Nichtsdestotrotz gibt es auch Grenzen. Als Sozialarbeitende müsse man sich bewusst sein, dass man nicht jedes Problem lösen könne. «Das ist nicht unsere Aufgabe, dafür haben wir auch gar nicht die Kapazitäten. In der Regel ist es die Ausnahme, dass die Menschen von uns eine sofortige Nothilfe in Form von Geld erhalten. Für diese Fälle gibt es zum Beispiel die Passantenhilfe.»
Die Sozialberatung nehme den ganzen Menschen in den Blick und versuche, Wege aufzuzeigen, soziale Schieflagen nachhaltig zu verbessern. «Manchmal kommen Menschen zu uns, die nach einer Bezugskarte für ‹Tischlein deck dich› fragen und erst in diesem Zusammenhang finden wir gemeinsam heraus, dass es noch andere Möglichkeiten der Unterstützung gibt, von denen sie noch nichts gewusst haben.»
Beziehungsarbeit und Zeit zum Zuhören
Sozialberatung übernimmt in diesem Fall die Funktion einer Triage zum Sozialamt oder zu anderen Unterstützungsangeboten. Gerade hier werde die Zeit immer knapper. «Meine Vorgängerin hatte noch Zeit, mit den Klient:innen Gesuche zu schreiben oder mit ihnen Bewerbungsunterlagen, Antragsformulare oder die Steuererklärung durchzugehen. Das ist heute nicht mehr möglich. Ausserdem ist es wichtig, dass der Mensch nicht zu kurz kommt.» Dazu gehört vor allen Dingen Aufklärungs- und Vertrauensarbeit, weil viele Menschen Vorbehalte und auch Ängste haben, direkt zu den Ämtern zu gehen. «Viele fürchten, den Aufenthalt zu verlieren, den sie sich mühsam erarbeitet haben, weil sie wieder in Arbeitslosigkeit geraten sind. Das ist deutlich komplexer geworden. Es braucht mehr Zeit zum Zuhören, mehr Beziehungsarbeit.»
Neue Realitäten: Teuerung und prekäre Arbeitsverhältnisse
Die Lage in der Sozialberatung ist angespannter geworden. Die Teuerung macht sich bei sozial Schwachen stärker bemerkbar. Mieten steigen bei gleichbleibenden Löhnen. Ohnehin gibt es immer mehr prekäre Arbeitsverträge und weniger sichere Anstellungsverhältnisse. Diese neuen Realitäten, die in Köniz nicht anders sind als in der Stadt Bern, setzen auch Monika Jufer gelegentlich zu: «Es hört sich vielleicht komisch an, aber wer bei uns normale Sozialhilfe bezieht, gehört eigentlich schon zu den Privilegierten.» Eine kleine Lobby haben Menschen mit Migrationshintergrund. Über ihnen hängt nicht nur das Damoklesschwert der Ausschaffung, sie bekommen mit rund 1800 Franken auch ca. 700 Franken weniger Geld im Monat als Schweizer:innen in der Sozialhilfe.
Trotz der Herausforderungen ist spürbar, dass Monika Jufer ihren Beruf liebt. Ihr Strahlen, ihre innere Ruhe und ihr Engagement sind ungebrochen. Damit steht sie stellvertretend für die vielen Sozialarbeitenden der Katholischen Kirche Region Bern.