Seit diesem Herbst kann man an der Universität Freiburg Theologie auch online studieren, vorderhand allerdings nur bis zum Bachelor. Eine Ausweitung auch auf das Masterstudium ist geplant. Das Studium kann gänzlich online oder in Kombination mit Präsenzveranstaltungen (also hybrid) absolviert werden, es wird auf Deutsch und Französisch angeboten.
«Die Studierenden der Theologie sind heute deutlich vielfältiger, was Alter, Lebenssituation und beruflichen Hintergrund betrifft», sagt Gregor Emmenegger, Verantwortlicher für die Online-Lehre an der Uni Freiburg, auf Nachfrage. «Viele arbeiten neben dem Studium, manche stehen bereits mitten im Berufsleben, andere haben Familie und Kinder.» Entsprechend studierten viele Theologie in Teilzeit.
Die Uni Freiburg sei nebst der Zweisprachigkeit traditionell ökumenisch und international geprägt. Entsprechend habe man mit dem Online-Studium international Studierende im Auge. Für diese sei es schwierig, für ein mehrjähriges Studium nach Freiburg zu ziehen. Emmenegger betont, dass das Online-Studium kein reduzierter Studiengang sei, die Anzahl Leistungspunkte und der akademische Abschluss seien gleich wie beim Präsenzstudium.
Kooperation statt Konkurrenz
An der Universität Luzern besteht bereits seit 2013 die Möglichkeit, Theologie online zu studieren, als Bachelor und Master. Neu ist dies auch für das Studium in Jüdisch-Christlichen Beziehungen möglich. Ausserdem kann in Luzern online der englischsprachige Master in Philosophy, Theology and Religions erworben werden. Als Konkurrenz möchten beide Fakultäten sich nicht sehen. «Unabhängig vom Online-Modus stand man schon immer in einem guten, regelmässigen Austausch», sagt Martina Kumli, Kommunikationsverantwortliche der Theologischen Fakultät der Uni Luzern, auf Nachfrage. Auch in Freiburg betont man die Kooperation: Freiburger Studierende können Angebote in Judaistik und Religionspädagogik in Luzern besuchen, Luzerner Studierende können Lehrveranstaltungen in Patristik (frühchristliche Literatur) und Religionssoziologie in Freiburg belegen.
Nebst diesen je eigenen inhaltlichen Schwerpunkten gibt es Unterschiede technischer Art: Während in Luzern Live-Zuschaltungen per Zoom oder das Nachhören der aufgezeichneten Lehrveranstaltung als Podcast im Vordergrund stehen, setzt Freiburg stärker auf sogenannt asynchrone Formate: «etwa kürzere Videos oder Podcasts, die mit Texten, Aufgaben, Quizzen und anderen Elementen kombiniert werden», erklärt Emmenegger. An beiden Unis gibt es auch digitale Formate, in denen sich die Studierenden untereinander und mit ihren Tutor:innen austauschen können.
2025 studierten in Luzern 419 Personen Theologie, davon 193 für den Bachelor/Master, also Theologie als Vollstudium. Wie viele davon online studierten, lässt sich laut Kumli schwer erheben, weil die Studierenden den Studienmodus jedes Semester für jede Veranstaltung individuell wählen können.
Online in Freiburg gefragt
In Freiburg gibt es aktuell rund 320 Theologiestudierende. Die meisten studieren laut Emmenegger Theologie im Vollprogramm oder Hauptfach. Hinzu kämen rund 120 Personen in den Weiterbildungsprogrammen. 35 Studierende hätten sich diesen Herbst neu für den Bachelor in Theologie eingeschrieben, 25 davon für das Online-Studium (Zahlen noch nicht definitiv).
Die Uni Luzern verzeichnet seit der Einführung des Flex-Studiums mehr Theologie-Studierende. Die Zahlen sind auch in den letzten fünf Jahren stetig gestiegen: von 295 im Jahr 2020 auf 419 im Jahr 2025. In Freiburg sind sie im gleichen Zeitraum leicht gesunken, von 381 auf 310, sie bewegen sich in den letzten 15 Jahren jedoch immer deutlich über 300.