«Wir wollten Tauffeiern anbieten, die leicht zugänglich sind und an besonderen Orten stattfinden, verbunden mit einem gemeinsamen Fest», sagt Bernd Berger, reformierter Pfarrer in Bern, gegenüber dem «pfarrblatt». Er gehört zum Team, das für den 23. August zum ersten Tauffest der reformierten Gesamtkirchgemeinde Bern einlädt.
Taufen im Freien erhielten zunehmend mehr Zuspruch als Taufen im Gemeindegottesdienst. In Letzteren erreiche man eher Kirchenverbundene, jedoch kaum queere Familien, Menschen in interreligiösen Partnerschaften oder mit besonderen Lebensformen. Das Tauffest sei auch für diese Menschen entstanden.
Nach einem gemeinsamen Auftakt in der Nydeggkirche begeben sich die Tauffamilien zu bestimmten Taufplätzen – etwa zum Ländtetor an der Aare oder zu einem Brunnen in der Matte. Dort wird das Ritual für die einzelnen Kinder, Jugendlichen oder Erwachsenen individuell gestaltet. «Die Täuflinge werden nicht untergetaucht», stellt Berger klar, «sondern wie im Gottesdienst mit dreifachem Benetzen der Stirn mit fliessendem Wasser und mit der Taufformel getauft.»
Eingliederung in den Leib Christi
Die Idee findet offensichtlich Anklang: Mit 21 Anmeldungen sei das Tauffest nahezu ausgebucht, so Berger. Darunter seien viele Täuflinge im Schulalter. Wie bei klassischen Taufen finde vorab ein Taufgespräch statt. Für die Zukunft kann sich Berger durchaus ein ökumenisches Tauffest vorstellen, ist die Taufe unter den christlichen Konfessionen doch gegenseitig anerkannt.
Katholischerseits ist die Sache allerdings nicht so einfach: Laut Kirchenrecht soll die Taufe ausser in Notfällen in einer Kirche oder Kapelle stattfinden. Denn die Theologie versteht die Taufe als Eingliederung in den Leib Christi. Sie soll daher «an einem Ort stattfinden, wo regelmässig Eucharistie gefeiert wird», sagt Nicolas Betticher, Pfarrer in der Berner Pfarrei Bruder Klaus, gegenüber dem «pfarrblatt».
Die Menschen abholen
Dennoch wäre er bei einem ökumenischen Tauffest sofort dabei. Denn «in der Taufe sind wir eins», sagt er zur Begründung. Er hat selbst schon Taufen im Wald oder in einer Lourdesgrotte durchgeführt, weil die Familien einen Bezug zu diesen Orten hatten. «Man muss die Menschen mit ihren Wünschen abholen», sagt er. Gleichwohl dürfe eine solche Ausnahme nicht die Regel werden.
Ähnlich sehen das andere katholische Seelsorgende aus Bern: Peter Sladkovic-Büchel, Gemeindeleiter in Worb, wäre «in Ausnahmefällen» dabei, denn auch ihm ist es wichtig, die Menschen mit ihren Bedürfnissen wahrzunehmen.
Für Christine Vollmer, Pfarreileiterin im Seelsorgeraum Bern-Süd, ist «Kirche» nicht nur der Ort, an dem sich die Gemeinde zur Feier der Liturgie trifft. «Kirche ist für mich überall dort, wo Menschen im Namen Jesu zusammenkommen und miteinander Leben und Glauben teilen», sagt sie. Umgekehrt würden Tauffamilien bei einer Taufe in der Kirche gleich den Ort der kirchlichen Gemeinschaft kennenlernen, «an den sie sich auch in anderen Situationen in ihrem Leben wenden können».