Als ich im aki zu arbeiten begann, hatte ich viele Veranstaltungsideen: Dieses und jenes sollten wir unbedingt durchführen, diesen Gast und jene Referentin einladen. Schliesslich ist das aki eine Bildungsstelle der römisch-katholischen Kirche und da gehören Veranstaltungsformate dazu. Und ich habe in der Regel ohnehin tausend Ideen und viel Gestaltungsfreude …
An der ersten Planungssitzung sass ich mit meiner Ideenliste – und dann sprudelten die studentischen Mitarbeitenden und die ehrenamtlich mitwirkenden Student:innen los und brachten ihre Vorschläge für Aktivitäten ein. Auch sie haben offensichtlich tausend Ideen und viel Gestaltungsfreude! Bergwanderungen, ein Siebdruckkurs, ein Podiumsgespräch zu LGBTIQ* in der Kirche, ein Besuch der Sternwarte, eine Filmnacht, eine Gesprächsrunde zum Thema Einsamkeit … Und: Hühner halten im aki-Garten!
Bei meinen erfahreneren Kolleg:innen konnte ich beobachten, wie sie dieses Biotop an Ideen und Kreativität pflegten: Da und dort brauchte eine schüchterne Stimme positive Resonanz und Ermutigung, die eigene Idee einzubringen. Oder ein Student mit Fluchtgeschichte brauchte vielleicht etwas Übersetzungsarbeit, damit seine Veranstaltungsidee verstanden wurde. Eine Studentin wiederum, die den Fokus ausschliesslich auf Spiel und Spass legte, wurde ermutigt, auch die ernsteren Themen und Sinnfragen nicht auszulassen. Nach und nach verstand ich: Meine Aufgabe hier ist es eher, Raum zu bieten, zu ermutigen, manchmal kritisch zu lenken, praktisch zu unterstützen, zuzuhören und zu fragen, zu fördern und offen zu bleiben, als mich selber als Veranstalterin zu profilieren.
Klar, das aki setzte immer schon spirituelle und gesellschaftliche Themen und ist Veranstaltungsort für ein interessiertes Publikum über die Studierenden hinaus. Das soll auch weiterhin so sein. Aber das reichhaltige Veranstaltungsprogramm, für das wir nicht selten Lob erhalten, ist zum aller grössten Teil nicht auf dem Mist des Kernteams gewachsen, sondern der Kreativität und dem Engagement der Studierenden zu verdanken. Das aki ist ihre Spielwiese. Und genau das macht die Arbeit für mich hier so kostbar.
Geneva Moser