Ramona Nock
Im Gottesdienst sitzen und mit dem Tablet auf dem Schoss das Kirchenlied mitsingen:
Das könnte bald Zukunftsmusik sein. Denn das neue Gesangbuch für die katholische Kirche, das derzeit entsteht, wird auch digital daherkommen. Sprich: Text und Noten sind nicht nur in klassischer Buchform zugänglich, sondern auch in einer App. Per 1. Advent 2028 soll das neue Produkt «Jubilate» erscheinen und das bisherige, blaue Kirchengesangbuch ablösen.
Die Planungen für den Kirchengesang der Zukunft laufen schon seit mehreren Jahren: Seit 2019 entwickelt eine Arbeitsgruppe der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz (DOK, eine Arbeitsgruppe der Bischöfe) neue Kirchengesangsmedien. Damals lief das Projekt noch unter dem Projektnamen «Chance Kirchengesang», inzwischen heisst es «Jubilate». Ein Name, der in einem Wettbewerb aus 116 Vorschlägen das Rennen machte und von Josef Grüter (ZG) stammt.
Digital den Gottesdienst planen
Das Liederbuch «Jubilate» wird mit rund 600 Seiten schlanker daherkommen als sein Vorgänger. «Das neue Buch wird auch optisch neu sein und so den Kirchenbesuchenden hoffentlich ins Auge springen», sagt Projektleiterin Sandra Rupp Fischer. «Wir arbeiten darauf hin, dass das Buch zu neuen musikalischen, liturgischen und kreativen Gottesdienstzugängen anregt.»
Zudem sollen Einführungskurse und Bildungsangebote, beispielsweise auch im Bereich der Singanimation, «das kraftvolle Gottesdienstfeiern und das gemeinsame Singen bestärken».
Jubilate stehe für Suchende, Interessierte, Neugierige und kirchlich Beheimatete und fördere die Vielfalt und Verbundenheit untereinander, hält Rupp Fischer fest. So evaluiert aktuell etwa eine Kommission zur Mehrsprachigkeit Gesänge, die in «Jubilate» in mehreren Sprachen bereitstehen werden.
Was wertvoll sei, jedoch im neuen Buch nicht abgedruckt werden könne, kann gemäss der Projektleiterin im sogenannten digitalen Gottesdienstplaner zur Verfügung stehen. Mit diesem Programm können Pfarreien ihre Gottesdienste vereinfacht planen und alle daran beteiligten Personen miteinander vernetzen. Die Pfarreien können zudem eigene Print-Anhänge zusammenstellen. Dieser Gottesdienstplaner mit Gottesdienstvorlagen, Lieder- und Gebetsbibliothek, Exportmöglichkeiten für Beamer oder Smartphone sowie einem Printshop werde auch nach Erscheinen des Buches aktuell bleiben.
Was sich nicht bewährt hat, muss weichen
Und wie unterscheidet sich «Jubilate» inhaltlich vom bisherigen Kirchengesangbuch? «Jubilate nimmt die aktuelle Kirchenentwicklung auf, geht auch auf kleiner werdende Gemeinden und Vernetzung in Seelsorge- und Pastoralräumen ein und animiert zu vielfältigen Gottesdienstformen», schildert die Projektleiterin. «Das Singen soll auch in kleinen Feiergemeinden möglich sein, die Singanimation durch Nichtmusikerinnen und -musiker gewinnt an Bedeutung.» Das interkulturelle Feiern werde durch das zeitgleiche Singen von Liedern in verschiedenen Sprachen gefördert.
Einzug finden würden konkret «neue Kehrverse und Rufe, neue Lieder zum Kirchenjahr, insbesondere auch zur österlichen Busszeit, zum Taufgedächtnis, zur Nachfolge Christi, ebenso zu aktuellen Themen wie Klima, Frieden, Angst, Wut und Liebe». Und: «Was sich aus dem KG von 1998 nicht bewährt hat, wird weichen müssen», sagt die Projektleiterin. «Jubilate» suche nach einem zeitgemässen Ausdruck in Wort und Musik – ansprechend, hinführend und verständlich.
Mehr Infos: jubilate.ch
Erstpublikation im Pfarreiblatt Zug