Weihnachten, das Fest der Menschwerdung Gottes, war bis ins 19. Jahrhundert hinein ein rein kirchliches Fest. Mit der Biedermeierzeit (1815–1848) gewann die Weihnachtsfeier zu Hause im deutschen Sprachraum immer mehr an Bedeutung. Die Bräuche, die sich zu dieser Zeit im städtisch-protestantischen Bürgertum entwickelten, prägen bis heute die Art, wie wir Weihnachten feiern.
Nikolaus, Christkind und Weihnachtsmann
Die Tradition der Weihnachtsgeschenke lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Anfangs beschenkte man sich hierzulande jedoch nur am Tag des Heiligen Nikolaus, dem 6. Dezember. An der Wende zum 19. Jahrhundert nahm die Geschenkekultur veränderte Formen an. Die Gegenseitigkeit des Schenkens und die Wertschätzung des Beschenkten rückten in den Vordergrund.
Im Biedermeier etablierte sich zudem die Bescherung der Kinder am 25. Dezember. Später wurde sie auf den Vorabend verschoben. Bereits seit dem Spätmittelalter gibt es neben Sankt Nikolaus auch das Christkind. Im 19. Jahrhundert etablierte sich in protestantischen Regionen der Weihnachtsmann als dritter Gabenbringer.
Anders als Sankt Nikolaus kam der Weihnachtsmann ohne eine Schreckfigur wie den «Knecht Ruprecht» oder den «Schmutzli» daher. Richtig bekannt und beliebt wurde der Weihnachtsmann mit seinem Export in die USA in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Das Heilshandeln Gottes ist reines Geschenk
Der deutsche Theologe Stephan Wahle beschreibt die heutige Geschenkekultur als «Ausdruck der verbürgerlichten Gestalt von Weihnachten». Durch die säkulare Gestalt des Weihnachtsmannes hätten die Geschenke ihre «himmlische Herkunft» und ihren christlichen Bezug verloren.
Doch das Schenken an sich hat auch einen theologischen Ort. Gott stellt aus christlicher Sicht ein «Urbild des Schenkens» dar, denn sein Heilshandeln an den Menschen ist immer reines Geschenk. Besonders das, was Christ:innen an Weihnachten feiern, die Menschwerdung Gottes, erfolgt nicht aufgrund einer Gegenleistung des Menschen, sondern als freier und ewiger Ratschluss Gottes.
Gott als «die Gabe schlechthin»
Die Freiburger Theologin Veronika Hoffmann beschreibt Gott in diesem Sinne als «die Gabe schlechthin» – nicht vergleichbar mit einer Spende, die Not lindern soll, sondern ähnlich einem Geschenk, das Freundschaft, Verbundenheit und Wertschätzung ausdrückt. Bei Geschenken, schreibt Hoffmann, gehe es nicht um das Ding, das gegeben werde, «sondern das Ding steht symbolisch für den Geber und das, was er mit der Gabe ausdrücken will».
In diesem Sinne sind für die Dogmatikerin die Sakramente als Selbst-Gaben Gottes zu verstehen, die den Menschen in den unterschiedlichen Situationen ihres Lebens seine Nähe zusprechen. Ein Geschenk oder eine Gabe, in der jemand etwas von sich selbst gibt, sei aber letztlich erst dann richtig angekommen, wenn der andere darauf mit Dankbarkeit oder Zuwendung reagiere.
Andere zu beschenken und die eigene Freude über erhaltene Geschenke auszudrücken, steht also durchaus in einem christlichen Kontext. Stephan Wahle bezeichnet das Schenken sogar als «christliche Tugend».
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