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Mit Sarah Gigandet ist erstmals eine Frau in der Co-Leitung eines Generalvikariats. Foto: José R. Martinez

Sarah Gigandet wird Teil der Bistumsleitung

Ab November arbeitet erstmals eine Frau auf der Ebene eines Generalvikariats in der Schweiz: Sarah Gigandet teilt sich die Aufgaben im Bistum Basel künftig mit Ruedi Heim.

Sylvia Stam / Elisabeth Zschiedrich

Die gebürtige Walliserin und Wahl-Bernerin Sarah Gigandet wird ab 1. November Bischöfliche Delegierte im Generalvikariat in Solothurn. Das teilte das Bistum Basel in seinem September-Newsletter mit. Mit der Ernennung von Sarah Gigandet beruft Bischof Felix Gmür erstmals eine Frau in die Leitung seines Bistums. 

Gigandet war von 2016 bis 2024 bereits wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Diözesankurie des Bistums Basels. Anschliessend absolvierte die promovierte Theologin die Ausbildung zur Seelsorgerin in der Berner Pfarrei Bruder Klaus sowie in den Pfarreien Heiligkreuz in Bremgarten und St. Franziskus in Zollikofen. 

Vertretung des Bischofs 

Die 39-Jährige teilt sich die neuen Aufgaben mit dem künftigen Generalvikar Ruedi Heim, bis September Co-Leiter und Leitender Priester im Pastoralraum Bern und Region. Beide folgen auf den aktuellen Generalvikar Markus Thürig, der in Pension geht. 

Ein Generalvikar vertritt den Bischof in allen Verwaltungsaufgaben, handelt in dessen Auftrag und mit nahezu gleicher Vollmacht. Das Bistum sehe in der erweiterten Besetzung des Generalvikariats einen Schritt zu mehr Synodalität, wie es im Newsletter heisst. Mit der Anstellung von Gigandet würden unterschiedliche Erfahrungen, Fähigkeiten und Lebenswirklichkeiten in die Arbeitsprozesse eingegliedert.

Wie die Arbeitsaufteilung zwischen Heim und Gigandet konkret aussieht, werde erst nach Amtsantritt entschieden, teilt das Bistum auf Anfrage mit. Auch Heim und Gigandet wollen sich dazu erst im November äussern. 

Die Freiburger Kirchenrechtlerin Astrid Kaptijn sieht hier einen grossen Spielraum: «Ausser den an die Weihe gebundenen Aufgaben, wie etwa die Firmung, kann Gigandet sehr vieles übernehmen. Im Kirchenrecht ist das nicht klar geregelt.» Es sei Sache des Bischofs, welche Vollmachten er Gigandet übertrage, sagt Kaptijn gegenüber dem «pfarrblatt». Sie gehe davon aus, dass er sich dabei nicht auf die rein administrativen Bereiche beschränken müsse. Gigandet könne auch theologisch bedeutsame Vollmachten erhalten, die sie allenfalls in Absprache mit dem Generalvikar ausüben könne – so etwa die Vollmacht, Seelsorger:innen zu ernennen oder kirchenrechtliche Dispense zu bewilligen. «Bischof Felix hat ein Gespür dafür, Frauen einzubeziehen», so Kaptijn. 

Erstmalig in der Schweiz 

Mit der Einstellung von Sarah Gigandet übernimmt erstmals in der Schweiz eine Frau eine leitende Rolle in einem Generalvikariat. Diese Führungsebene ist hierzulande bislang ausschliesslich geweihten Männern vorbehalten. Mehrere Bistümer, darunter Basel, kennen allerdings bereits Frauen auf der Ebene des Bischofsvikariats. Für das Bischofsvikariat St. Verena, zu dem der Kanton Bern gehört, ist Brigitte Glur-Schüpfer, die per 1. August auf Edith Rey Kühntopf folgte, verantwortlich. 

In Deutschland hat das Bistum Mainz eine Vorreiterrolle: Seit 2022 gehört Stephanie Rieth als sogenannte Bevollmächtigte des Generalvikars zur Leitung des Bistums. Ein Generalvikar muss Priester sein und das 30. Lebensjahr vollendet haben. Das Amt der Generalvikarin gibt es nach geltendem Kirchenrecht nicht. Umso interessanter wird sein, welche Aufgaben Gigandet ab November im Generalvikariat übernehmen wird.