«pfarrblatt»: Was motiviert Sie, Priester zu werden?
David Meier: Ich fühle mich zu dieser Form des Dienstes an Gott und den Menschen hingezogen. Gottes Nähe spüre ich besonders in den Sakramenten. Statt eines konkreten Schlüsselerlebnisses habe ich eine Kontinuität erlebt – einen Weg, auf dem meine Sehnsucht wuchs, auf diese Nähe Gottes zu antworten und ihn anderen Menschen näherzubringen.
Tun Sie das bereits jetzt in Rom?
Meier: Ja. Ein sehr schönes Erlebnis hat mir kürzlich wieder bestätigt, meinen Weg weiterzuverfolgen. Mit vielen anderen Seminaristen durfte ich zu Ostern die Kommunion austeilen. Ich wurde ans andere Ende des Petersplatzes geschickt. Über die Absperrungen und die Staatsgrenze des Vatikans hinweg habe ich den Gläubigen die Kommunion gereicht. Das hat mich berührt: Jenseits des Petersplatzes konnte ich diesen Menschen Gott näherbringen. Diese Aufgabe motiviert mich: Als Priester auch Menschen in den Blick zu nehmen, die nicht im Zentrum stehen.
Was haben Ihre Familie und Freund:innen gesagt, als sie hörten, dass Sie Priester werden wollen?
Meier: Einige waren im ersten Moment erstaunt, doch besonders Gleichaltrige haben sich mit mir gefreut. Viele wollten mehr über meine Berufswahl erfahren, wobei auch nachdenkliche Töne im Zusammenhang mit dem Niedergang der Volkskirche aufkamen. Gespräche über meine Berufung ermutigen mich immer wieder, und viele Menschen versichern mir ihr Gebet.
Was möchten Sie tun, um als Priester nahe bei den Menschen zu sein?
Meier: Ich möchte gerne neue Sprachen lernen. Sie sind einer der wichtigsten Schlüssel zur Verständigung und notwendig, um Kontakt und Verbindung zu unseren Mitmenschen aufbauen zu können.
Der Zölibat wird immer wieder kontrovers diskutiert. Empfinden Sie diesen als Bereicherung oder als Einschränkung?
Meier: Der Verzicht auf Ehe und Familie heisst, mich ein Stück weit freizuhalten für ein Leben im Dienst an allen Menschen. Dabei verstehe ich es im positiven Sinn als Herausforderung und Auftrag, bewusst in allen mir gleichwertige und Gott ebenbildliche Menschen zu sehen. Das macht Begegnungen bereichernd, macht mich aber auch verletzlich. Mich für alle einzusetzen, kann meine Privatsphäre einschränken und an die Substanz gehen. So ist es wichtig, mir bewusst Freiräume zu schaffen.
Die Kirche steht wegen Missbrauchsskandalen und Vertrauensverlust immer wieder in der Kritik. Wie gehen Sie als angehender Priester damit um?
Meier: Man muss diese Belastung ernst nehmen, was uns noch einige Jahre beschäftigen wird. Wir müssen die Fälle weiter gut aufarbeiten, dazu braucht es auch fachliche Expertise. Ich trete dafür ein, dass wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und es besser machen. Es gilt, Vertrauen zu schaffen, wo es verloren ging. Vielleicht gelingt das nicht überall. Doch ich setze mich dafür ein, dass die Opfer gehört werden und die Beachtung erfahren, die sie sich wünschen.
Was sollte in den nächsten zehn Jahren passieren, damit Sie sagen können: «Ich habe den richtigen Weg gewählt»?
Meier: Meine Gottesbeziehung sollte sich weiter vertieft haben. Optimalerweise wird sich durch mein Zutun auch das Leben jener Menschen, denen ich bis dahin begegnet bin, in diese Richtung verändern.