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Die Taube als Symbol für den Heiligen Geist verweist auf Pfingsten und Gottes Gegenwart in der Welt. Foto: Unsplash

Pfingsten – ein unterschätztes Fest

Pfingsten ist mehr als ein Fest des Heiligen Geistes. Es hat jüdische Wurzeln und eine österliche Dimension. Die Liturgie erzählt konkrete Geschichten von Begegnungen mit Gott.


Nach dem Fest ist vor dem Fest. Ab Ostermontag stehen in den Läden die Schokohasen bereits im Ausverkauf oder werden für das nächste Fest eingeschmolzen. Die Regale füllen sich mit Geschenken und Blumen zum Muttertag. Kaum ist ein Fest vorbei, denkt man bereits an das nächste.

In der christlichen Liturgie ist das anders. Christliche Feste sind nachhaltig, sie enden nicht mit einem Kater am nächsten Morgen. Sie dauern an, klingen nach, werden verkostet wie gutes Essen. Sie bilden keinen Kontrast zum Alltag, sondern strahlen auf ihn aus. Das gilt besonders für Ostern, das fünfzig Tage dauert – bis Pfingsten. 

Pfingsten ist der Abend von Ostern 

Die fünfzig Tage der Osterzeit werden gefeiert wie ein einziger Tag. Das zeigen die Festtagsevangelien: In der Osternachtfeier wird der Bericht vorgetragen, wonach die Frauen frühmorgens zum Grab Jesu eilen. Ihnen wird gesagt, dass Jesus auferstanden sei und wo sie ihm selbst begegnen werden (Mt 28,1–10; Mk 16,1–7; Lk 24,1–12). 

An Pfingsten hören wir die Erzählung aus dem Johannesevangelium, wonach die Jünger:innen Jesu am Abend desselben Tages hinter verschlossenen Türen versammelt sind, ihnen der Auferstandene erscheint und sie anhaucht mit Heiligem Geist (Joh 20,19–23). Pfingsten ist der Abend von Ostern. 

Das jüdische Wochenfest

«Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war…» Mit diesen Worten beginnt die Pfingsterzählung nach dem Evangelisten Lukas in der Apostelgeschichte (2,1–13). Es gab das Pfingstfest also bereits vor den Ereignissen, von denen Lukas berichtet. Es handelt sich ursprünglich um ein jüdisches Fest. Das Wort «Pfingsten» stammt vom griechischen «pentecoste (hemera)» = fünfzigster (Tag). Gemeint ist das jüdische Wochenfest (Schawuot, hebräisch = Wochen), das sieben Wochen nach Pessach stattfindet. 

Es entstand als Erntedankfest am Beginn der Weizenernte. An Schawuot brachte man die Erstlingsgaben als Dankopfer zum Tempel nach Jerusalem (Lev 23, 15–22 und Deut 16, 9–12). 

Verbindung mit einem historischen Ereignis 

Wie Pessach mit dem Auszug aus Ägypten, so wurde auch Schawuot mit einem historischen Ereignis verbunden, nämlich mit dem Bundesschluss am Sinai und der Überreichung der zehn Gebote beziehungsweise der Tora. Gemäss Exodus 12–19 liegen zwischen dem Auszug aus Ägypten und dem Empfang der Tora am Sinai 49 Tage. 

Das Wochenfest ist ein Gabenfest: Gott wird gepriesen für die Gaben seiner Schöpfung und die Gabe der Tora, der Lebensweisung für sein Volk. Die ersten christlichen Gemeinden feierten weiterhin die jüdischen Feste, sie begingen den Sabbat und den Sonntag, Pessach und Ostern. Mit dem Wochenfest verbanden sie eine weitere Gabe Gottes, den Heiligen Geist. Die christliche Deutung des Pfingstfestes ersetzte also nicht die bisherigen Festinhalte, sondern ergänzte sie. 

Narrative Liturgie 

Die Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils (1962–1965) hat die österliche Dimension von Pfingsten und seine jüdischen Wurzeln wieder stärker betont. Vor allem hat sie ein Grundprinzip jüdischen und christlichen liturgischen Feierns in Erinnerung gerufen: Die Liturgie feiert nicht Ideen, Lehrsätze oder abstrakte Gottesvorstellungen, sondern Heilsereignisse in der Geschichte des Gottesvolkes, die in der Feier vergegenwärtigt werden. 

Pfingsten ist – jüdisch und christlich gesehen – Abschluss und Anfang. Für Christ:innen beginnt nach der österlichen Festzeit der Alltag, der Weg als Gemeinschaft der Kirche mit dem Wort des Evangeliums und im Heiligen Geist.


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