«Wenn du im Knast warst, verändert sich die Sicht auf Freiheit», sagte die Berliner Liedermacherin Bettina Wegner, die 1968 in der DDR in Untersuchungshaft sass, kürzlich in einem Zeitungsinterview. «Freiheit ist, wenn ich eine Klinke bewege und die Tür sich öffnen lässt.»
Wie es sich anfühlt, wenn die Tür zu bleibt, konnten vor vier Jahren Freiwillige im Gefängnis Zürich West testen. Sie verbrachten vor Eröffnung der Anstalt bis zu 48 Stunden in den Zellen und wurden danach zu ihren Erfahrungen befragt.
Die eben veröffentlichten Studienergebnisse zeigen: Die meisten Teilnehmer:innen hatten die Wirkung der Fremdbestimmung unterschätzt. Es ging ihnen eingesperrt schlechter, als sie es vermutet hatten. Die Seelsorgerin Ursula Wyss hält sich seit mehr als 15 Jahren regelmässig in Gefängnissen auf. Sie spricht mit den Häftlingen über Schuld, Erfahrungen des Scheiterns und den Glauben an Gott angesichts der eigenen Unzulänglichkeit. Dabei könne sie sich selbst immer noch nicht ganz vorstellen, was es bedeute, hinter Gittern zu leben, sagt die 59-Jährige im Interview.
Eingesperrt zu sein bedeutet eine extreme Freiheitsbeschränkung. Für die meisten Menschen heisst frei sein mehr, als Türen öffnen zu können. Als unfrei gilt etwa auch, wer unter ausbeuterischen Bedingungen arbeitet oder von digitalen Medien abhängig ist. Unter anderem darum geht es in der ersten Enzyklika von Papst Leo XIV. Was die Theologin Ursula Nothelle-Wildfeuer an dem Freiheitsverständnis des Papstes bemerkenswert findet, lesen Sie hier.
Befreiende Leseerlebnisse wünscht Ihnen
Elisabeth Zschiedrich, «pfarrblatt»-Co-Redaktionsleiterin