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Persönlich glauben – ganz konkret

Eine Perle in Gottes Hand

Nicole Macchia, Gemeindeleiterin in Thun

«Einmal angenommen, da kommt einer und sagt: ‹Nun erklär mir doch mal, worum es in eurem Glauben eigentlich geht! Aber sag es so, dass ich es verstehen kann, und rede nicht lange herum, sag das Wichtigste, sag es kurz und bündig!›» Wie würde Ihre Antwort lauten? Das Zitat las ich in «Christ sein auf den Punkt gebracht» von Reinhard Körner. Es hat mich zum Nachdenken gebracht. Ein neues Jahr hat begonnen. Wir haben uns Ziele gesetzt, wir haben uns vielleicht Gedanken gemacht über unser vergangenes Jahr, was super war, was für Hürden wir übersteigen mussten, was schief gegangen ist oder anders, als wir es uns erwünscht haben.

Wie haben wir unser Glaubensleben im vergangenen Jahr gelebt? Hat es überhaupt Platz in unserem Leben? Wie gestalte ich mein Glaubensleben? Bin ich eine stolze Christin, ein stolzer Christ, und kann ich jemandem, der mich bittet, «Sag mal, was ist denn an deinem Glauben so besonders», auch antworten? Nehmen wir uns doch einen Moment Zeit und beobachten, was in uns gerade hervorkommt, wenn wir diese Anregung lesen. Was mich persönlich stark begleitet und Kraftquelle ist, ist das Wissen, dass ich eine Perle in Gottes Hand bin. Eine Perle entsteht, wenn ein Fremdkörper in sie eindringt und verunreinigt. Die Muschel beginnt eine Substanz zu bilden, mit der sie ihren Körper schützt. Dieser Schutz ist die kostbare glänzende Perle. Ohne Verletzung bringt eine Muschel keine Perle hervor, denn die Perle ist eine vernarbte Wunde. Jesus hat sich so verletzlich gezeigt in einem Kind, er ist bedürftig – bedürftig der Liebe, der Zuwendung, der Aufmerksamkeit, der Mitmenschlichkeit. Das sind genau die Elemente, welche wir in unserer Glaubensgemeinschaft erleben dürfen. Das ist das, was uns Christinnen und Christen ausmachen soll: Angenommen-Sein, Willkommen-geheissen-Sein, zu wissen, dass wir mit all unserer Unvollkommenheit geliebt werden. 

Jesus stärkt uns darin, verwundbar zu sein, uns verletzlich zu zeigen, denn genau in unserer Ohnmacht liegt unsere Stärke. Die Stärke sich von Gott berühren und leiten zu lassen. Unsere Offenheit zu leben, dass er durch uns wirken darf. Ich schliesse mit einem Gedanken, der mich persönlich sehr berührt. Es ist ein Zitat von Paolo Scquizzato, «Lob des unvollkommenen Lebens»: «Jesus sagt einem jeden von uns: Liebe den Teil von dir, den du nicht haben möchtest. Beginne, ihn liebevoll zu betrachten, und du wirst sehen, dass da eine kostbare Perle in dir ist. Eine als solche anerkannte Verwundung, die von der Liebe umfangen ist, lässt dich erfahren, welchen Schatz du in dir trägst!»