«Erstkommunionkleider und Chränzli gratis abzugeben», heisst es auf dem «Marktplatz» der Inländischen Mission* (IM). Auf dieser Plattform können Kirchgemeinden und Pfarreien sakrale Gegenstände, liturgische Gewänder oder Mobiliar anbieten.
Die 35 Erstkommunionkleider und 20 Kränze stammen von der Kirchgemeinde Menznau LU. «Wir brauchen sie nicht mehr, weil wir vor zwei Jahren neue Kleider angeschafft haben. Wir hatten zunehmend Schwierigkeiten, die Erstkommunikant:innen mit der passenden Grösse auszustatten.»
Die Kirchgemeinde möchte die Kleider im Inland weitergeben, daher hat sie sich an die Inländische Mission gewandt. Die Nachfrage scheint allerdings in diesem Fall nicht sehr gross zu sein, weil das Inserat bereits seit über einem Jahr online ist. Ebenfalls im Angebot sind zurzeit Kreuze, die aus einem Schulzimmer entfernt werden mussten.
Kostenloses «Ricardo» für Kirchen
Den Marktplatz, eine Art «Ricardo für Kirchen», gibt es seit gut 20 Jahren. Im Unterschied zu Ricardo will die Inländische Mission jedoch «keinen Handel betreiben», wie deren Geschäftsführer Urban Fink gegenüber dem «pfarrblatt» sagt. «Wir wollen lediglich finanzschwächeren Kirchgemeinden und Pfarreien helfen, gratis zu sakralen Gegenständen zu kommen.»
Die Plattform steht also kostenlos zur Verfügung. Allerdings, stellt Fink fest, sei die Zahl der Anbieter gegenüber derjenigen der Interessenten in den letzten Jahren gestiegen. «Vor allem Klosterniederlassungen, die mangels Nachwuchs verkleinert oder aufgehoben werden, haben viele Gegenstände übrig: Messgewänder, Heiligenstatuen, Kerzenständer etc.»
Klöster gingen sehr verantwortungsvoll mit diesen Gegenständen um, hält er fest, aber es sei schwierig, diese in grösseren Mengen zu vermitteln.
Kelche gefragt, Messgewänder nicht
Immer wieder gefragt seien Kelche und Hostienschalen. «Priester, die in Altersheimen Messen feiern, sind froh, wenn das Heim selbst über diese Gegenstände verfügt und sie nicht mitgebracht werden müssen», erklärt Fink. Schwierig zu vermitteln, seien Messgewänder, insbesondere ältere Modelle.
Ein Highlight sei die Vermittlung einer Orgel an eine kleine Bündner Kirchgemeinde gewesen. In diesem Fall habe die Inländische Mission die Anpassungen, die für den Einbau der Orgel nötig waren, finanziell unterstützt.
Es komme vor, dass Gegenstände ins Ausland vermittelt würden, etwa nach Afrika. «Manchmal fragen Schweizer Geistliche, die Kontakte in andere Länder haben, bei uns nach.»
Diskret entsorgen
Vereinzelt würden auch Privatpersonen einen Rosenkranz, ein Kruzifix oder eine kleine Statue anbieten, die sie beispielsweise geerbt hätten. Bei Kunstgegenständen rät Fink dazu, bei Fachleuten des Bistums abklären zu lassen, ob es sich um wertvolle Gegenstände handle. Im Bistum Basel können alte Reliquiare dem bischöflichen Archiv übergeben werden. Massenprodukte können diskret im Kehricht entsorgt werden.
Die Inländische Mission fördert mit materiellen Beiträgen das religiöse Leben in der Schweiz.