Artikel

Foto: Randy Fath / unsplash.com

Nein sagen!

Kolumne aus der Inselspitalseelsorge

«Was sind Ihre Schwächen?», wurde ich beim Vorstellungsgespräch gefragt. Mit dieser Frage hatte ich nicht gerechnet. Sie fiel mir schwer, doch war es mir wichtig, ehrlich zu sein. «Ich kann schlecht Nein sagen!», antwortete ich, denn mit dieser Schwäche bin ich in meinem Leben immer wieder konfrontiert. So bin ich erzogen worden. Von Kindheit an wurde ich dazu angehalten, in erster Linie den Bedürfnissen anderer zu dienen. Ein «Nein» würde diese Haltung bedrohen. «Nein sagen» würde bedeuten, auch mal egoistisch zu sein, und es könnte gar zu einem Konflikt führen. Ständig «Ja sagen» aber verletzt meine eigenen Bedürfnisse und widmet anderen die Zeit und Energie, welche ich manchmal auch für mich selbst benötigen würde. Ein «Nein» könnte mich darin unterstützen.

Denn «Nein sagen» bedeutet nicht einfach nur, etwas ablehnen, sondern es bedeutet auch, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu respektieren. «Nein sagen» hilft, gesunde Beziehungen aufzubauen, die eigene Sphäre zu schützen und die Kontrolle über das eigene Leben zu behalten. «Nein sagen» ist eine Fähigkeit, die ich lernen und üben kann. Sie entwickelt sich durch Arbeit an sich selbst. «Nein sagen» hilft, wertschätzend mit sich und den eigenen Ressourcen umzugehen, was sich körperlich und emotional positiv auswirkt. Auch wenn es zunächst schwierig erscheint, ist es für gesunde Beziehungen und ein erfülltes Leben unerlässlich, diese Fähigkeit zu entwickeln. 

«Egoistisch zu sein» tut manchmal gut …!

Rubin Gjeci, Seelsorger am Inselspital

Kolumnen aus der Inselspitalseelsorge im Überblick