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Religionslehrerin Lavinia Mazzolena mit der 13-jährigen Iga bei der Probe für den Gottesdienst. Foto: Elisabeth Zschiedrich

Mit Kindern bewusst Karfreitag feiern: live im SRF

Normalerweise sendet SRF an Karfreitag aus einer evangelisch-reformierten Kirche. Dieses Jahr kommt der Radio- und Fernsehgottesdienst aus der katholischen Pfarrei St. Christophorus in Wangen. Zu Besuch bei einer Probe.


Jesus wollte, dass seine Jünger wach bleiben. Doch jetzt sitzen sie da und schlafen. «Man darf dir ruhig ansehen, dass du enttäuscht bist», sagt Religionslehrerin Lavinia Mazzolena zu Iga. Die 13-Jährige spielt heute in der Kirche St. Christophorus den Jesus. Mit geschlossenen Augen aneinander gelehnt, mimen drei weitere Kinder die Jünger. Es ist die erste Probe für den Gottesdienst, den Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) am Karfreitagmorgen aus Wangen an der Aare ins Radio und Fernsehen übertragen wird.
 


Karfreitag um 10.00, das ist eigentlich kein Sendeplatz, der zu einem katholischen Gottesdienst passt. Die katholische Tradition sieht die Karfreitagsliturgie für 15.00 vor. Deshalb sendete SRF am Karfreitag bisher meist einen evangelisch-reformierten Gottesdienst. Sibylle Hardegger, Radio- und Fernsehbeauftragte der katholischen Kirche, musste zuerst einmal nachdenken, als klar wurde, dass der Karfreitag dieses Jahr in ihrer Verantwortung lag und nicht bei der reformierten Kollegin. 

Allzu experimentell sollte es nicht werden

Hardegger ist zuständig für alle inhaltlichen Aspekte der katholischen SRF-Gottesdienste. Sie sucht die Pfarrei aus, berät das Team vor Ort bei der Planung und verantwortet letztlich die Durchführung des Gottesdienstes. «Einmal den Karfreitag zu übernehmen, hat mich gereizt», sagt sie. Ihre Vorstellung war ein Familiengottesdienst, der die traditionellen Elemente der Karfreitagsliturgie beibehält. Allzu experimentell sollte es nicht werden, schliesslich ist Karfreitag nicht irgendein Tag, sondern einer der höchsten christlichen Feiertage.

Bekannte gaben ihr den Tipp, in Wangen nachzufragen. Dort habe man Erfahrung mit sorgfältig vorbereiteten Familienliturgien. «Lavinia Mazzolena und ich haben schon letztes Jahr einen Karfreitagsgottesdienst für Familien angeboten, der sehr gut besucht war», sagt Pfarreiseelsorgerin Flavia Schürmann. Auch die 11 und 12 Jahre alten Schwestern Rael und Lara waren damals dabei. Als Lavinia Mazzolena sie fragte, ob sie dieses Jahr bei einem Fernsehgottesdienst mitmachen würden, sagten sie sofort zu. Auch der 11-jährige Johannes fand die Idee «megacool».
 


Bei Schürmann hatte die Anfrage von Hardegger zuerst gemischte Gefühle hervorgerufen: «Ich dachte, das ist eine tolle Chance. Gleichzeitig bin ich bei solchen Dingen immer etwas nervös.» Die Vorbereitungstreffen mit Hardegger und dem SRF-Team hätten ihr aber die Ängste genommen. «Alle waren sehr freundlich und interessiert», sagt sie. 

Passion und Kreuzestod Jesu stehen im Mittelpunkt

 Auch Mazzolena und Schürmann wollten grundlegende Elemente der Karfreitagsliturgie beibehalten. «Ich finde es wichtig, diesen Tag mit Kindern bewusst zu feiern», sagt Mazzolena. Im Mittelpunkt des Fernsehgottesdienstes stehen daher wie üblich die Passionserzählung und der Kreuzestod Jesu. Vier Kinder stellen, in Schwarz gekleidet, fünf Szenen als Standbilder dar. Dazu lesen Jugendliche die entsprechenden Bibelstellen.

 Auch die Fürbitten werden später von jungen Erwachsenen vorgetragen. Das Pfarreiteam hat für den Gottesdienst ausserdem ein zwei Meter grosses Holzkreuz anfertigen lassen. In dieses kann jedes Gemeindemitglied nach der Lesung einen Stein legen als Symbol für eine Last, die er oder sie abgeben möchte. So kommt, sagt Mazzolena, auch das in den Blick, was auf den Karfreitag, die Enttäuschung und die Trauer folgt: die Auferstehung, das Leben.

 

Der Gottesdienst ist an Karfreitag, 3. April, um 10.00 im Fernsehen von SRF zu sehen und im Radio (SRF 2 Kultur) zu hören. Anschliessend ist er in der Mediathek verfügbar.