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Maria – uns Frauen nahe

Hommage an eine nahbare Heldin

B. Ammann, Pastoralraum Seeland

Maria begegnet uns in der Bibel und in der Kunst meist als demütige, gehorsame Mutter Jesu. Hinter diesem Bild steht jedoch eine Frau aus Fleisch und Blut – eine Frau, die vieles erlebt hat, was auch wir Frauen heute kennen.

Als der Engel ihr verkündet, dass sie zu etwas ganz Besonderem auserwählt ist, fragt Maria nach, wägt ab und sagt schliesslich Ja. Ein mutiges Ja! Lässt sie sich doch voller Vertrauen einfach ein.

Maria war nicht nur die Mutter Jesu. Sie war eine Frau mit einer eigenen Stimme und einem tiefen Glauben. Im Magnificat besingt sie einen Gott, der die Niedrigen aufrichtet, den Hungrigen Gutes schenkt und die Mächtigen an ihre Grenzen erinnert. Ihr Glaube war nicht still und passiv. Er war getragen von der Hoffnung auf Gottes Gerechtigkeit und auf eine Welt, in der Barmherzigkeit und Liebe stärker sind als Macht und Gewalt.

Im Alltag half sie vielleicht Josef in seiner Werkstatt, führte den Haushalt, versorgte die Familie und trug Verantwortung für das tägliche Leben. Müdigkeit und Erschöpfung waren ihr sicher nicht fremd.

Sie ängstigte sich, als der zwölfjährige Jesus im Tempel zurückblieb. Sie sorgte sich über den Weg, den ihr Sohn als junger Mann ging – einen Weg, den sie nicht immer verstand. 

Und sie stand unter dem Kreuz. Während viele flohen, blieb Maria. Sie schaute nicht weg. Gemeinsam mit einigen Frauen und dem Jünger, den Jesus liebte, musste sie miterleben, wie ihr geliebter Sohn einen qualvollen Tod erlitt. Kaum eine Mutter kann sich größeren Schmerz vorstellen.

Auch nach Ostern bleibt Maria – bei der Kirche, betend mit den Jüngerinnen und Jüngern. So begleitet sie den Weg der Glaubenden von Anfang an.

Maria ist uns Frauen nahe – in ihrem Frausein, in ihrer Fürsorge, in ihrem Vertrauen und auch in ihrem Muttersein. Sie war keine unnahbare Heldin ohne Tränen und Unsicherheiten. Sie war eine mutige Frau, die vertraute, arbeitete, liebte, litt und hoffte.