Ihr Zeugnis im Johannesevangelium bildet das Fundament des christlichen Osterglaubens. Doch damals im antiken jüdischen Recht galt das Zeugnis oft als wenig glaubwürdig. Dass ausgerechnet eine Frau als Erstzeugin der Auferstehung auftritt, wird in kirchlich-theologischen Kreisen teilweise als «Kriterium der Peinlichkeit» gewertet. Es ist deshalb auch wahrscheinlich, dass die Urgemeinde sich diese Geschichte kaum ausgedacht hat, weil sie weder zeitgemäss noch praktisch war. Maria Magdalena wird hier als die rechtmässige Begründerin der Osterbotschaft gesehen.
Jedoch erst seit 10 Jahren ist Maria Magdalena vom Vatikan offiziell den männlichen Aposteln gleichgestellt. Der Ehrentitel Apostelin der Apostel unterstreicht ihre Rolle als Erstzeugin. Der Weg dahin dauerte sehr lange und ihre bedeutende Rolle wurde durch die jahrhundertelange Gleichsetzung Marias mit der «namenlosen Sünderin» oder Prostituierten gleichgesetzt. So wurde sie auf die Rolle der reuigen Büsserin reduziert. Passte besser ins System.
Womit wir bei den apokryphen Schriften wären, also jenen Zeugnissen, wie das Evangelium der Maria, die es nicht in die gefasste Bibel geschafft haben. Die dort beschriebenen Konflikte (z. B. mit Petrus) könnten als Spiegelungen von Machtkämpfen um die Rolle der Frau in der frühen Kirche gedeutet werden. Auch entgegen der Darstellung als bedürftige Frau, weisen Theologinnen darauf hin, dass Maria Magdalena Jesus aus eigenen Mittel finanziell unterstützte, was auf einen hohen sozialen Status und wirtschaftliche Unabhängigkeit hindeutet. Sie war eine autonome Weggefährtin Jesu und spielte eine zentrale Rolle in der Jesus-Bewegung.
Also Frauen, Schwestern im Glauben, worauf warten wir eigentlich noch?