Am 22. Juli feiern wir Maria Magdalena. Papst Franziskus hat ihren Gedenktag 2016 zum Festtag erklärt und sie so auf die Stufe der Apostel gestellt. Damit wird ihre Bedeutung ins Licht gerückt, nämlich: Als Symbol für die Gleichberechtigung der Frau in der Kirche.
In den Evangelien ist Maria Magdalena die erste Augenzeugin der Auferstehung Jesu und wird von ihm geschickt, um den Aposteln davon zu berichten. Deswegen nannte man sie schon in der Alten Kirche die «Apostolin der Apostel».
Sie gilt heute als das stärkste historische Argument für Reformbewegungen, denn sie zeigt, dass Frauen von Anfang an eine leitende und tragende Rolle in der Jesus-Bewegung hatten – auf Augenhöhe mit den Männern.
Als Befreiung von patriarchalen Vorurteilen
Papst Gregor I. erklärte Maria Magdalena im Jahr 591 fälschlicherweise für identisch mit der namenlosen Sünderin (Prostituierten) aus dem Lukasevangelium. Die aktuelle Geschichtsforschung und Theologie haben dieses Bild komplett revidiert. Sie steht heute symbolisch dafür, wie weibliche Geschichte in der Vergangenheit oft verzerrt oder marginalisiert wurde.
Als Faszination für alternative Spiritualität
Durch Funde alter, nicht-biblischer Schriften (wie den gnostischen Evangelien) wurde deutlich, dass Maria Magdalena in einigen frühen christlichen Gruppierungen sogar als diejenige galt, die Jesu Lehre am besten verstanden habe.Heute inspiriert sie so spirituelle Bewegungen abseits der Dogmen. Sie steht für eine persönliche, intuitive Beziehung zum Glauben – unbeeinflusst von starren Hierarchien.
Maria Magdalena ist aktuell die Symbolfigur für eine moderne, weibliche und emanzipierte Sicht auf den Ursprung des Christentums.