Ein Bild soll dazu einladen, «sich mit dem Thema Hunger, Nahrung, fruchtbarer Boden auseinander zu setzen». So lautete die Aufgabe, mit der die Hilfswerke Fastenaktion und Heks (Hilfswerk der evangelischen Kirche Schweiz) an Studierende der Hochschule Luzern (HSLU), Abteilung Design, Film, Kunst gelangten. Vierzehn Künstler:innen haben die Herausforderung angenommen. Ziel dieser Zusammenarbeit: neue Wege auszutesten, junge Menschen mit diesem Thema zu konfrontieren und ihre Ideen dazu zu erfahren. Matthias Dörnenburg, Leiter der Ökumenischen Kampagne und Projektleiter des Wettbewerbs, zeigte sich an der Vernissage vom 2. September beeindruckt von der Vielfalt der Resultate mit ihrem je ganz eigenen Zugang zum Thema.
Tradierte Symbole modern interpretiert
Gewinnerin des Wettbewerbs ist die 26-jährige Alessandra Jenni aus Ballwil im Kanton Luzern. Ihr Werk «Was uns trägt» wird in den kommenden zwei Jahren während der Fastenzeit in den Schweizer Kirchen hängen. Die Künstlerin war an der Vernissage nicht anwesend, hält aber in ihrer Beschreibung zu ihrem Werk fest, dass es die Verbindung von Mensch, Erde und Nahrung thematisiere. Im Zentrum der Collage ist eine Hand zu sehen, die einen Erdhügel trägt. Die Hand könne für Fürsorge wie für Verantwortung stehen, aber auch für die Erde selbst, «die uns trägt und ernährt». Ein Wurzelsystem in der unteren Bildhälfte symbolisiere die unsichtbaren Zusammenhänge zwischen Boden, Nahrung, Gemeinschaft und Leben.
Die Jury hält fest, dass das Bild tradierte Symbole modern interpretiere. Das Bild mit seinen warmen Erdfarben sei ausdrucksstark und biete zugleich viele Details zur Betrachtung. Letzteres dürfte für die Jury eine Rolle gespielt haben, denn das Siegerbild muss sich für eine vertiefte Auseinandersetzung im kirchlichen Kontext eignen: Zum Hungertuch erscheinen jeweils Meditationen und Begleitmaterialien für die Arbeit in Pfarreien oder Schulen.
Zusammenspiel mit der Natur
Noel Grüter, Künstler des zweitplatzierten Bildes «Symbiose», hat nicht das Thema selbst, sondern einen Prozess abgebildet. Entstanden ist eine abstrakte Darstellung in Blau- und Grautönen.
Die Gestaltung beruht auf zwei sich überlagernden Ebenen. Eine davon entstand direkt in der Natur: «Ich habe im Wald mehrere Blätter Papier an verschiedenen Orten auf den Boden gelegt. Darauf habe ich Farbpigmente, Erde oder Steine platziert. Diese Blätter liess ich über einen oder mehrere Tage liegen. Durch das Zusammenspiel mit der Natur, manchmal hat es geregnet, sind die Pigmente mehr oder weniger verflossen», erläutert der 23-jährige Künstler aus Dietwil im Kanton Aargau gegenüber dem «pfarrblatt». So entstand ein abstraktes Gesamtbild.
Die Idee des Prozesses hat die Jury überzeugt. «Die Abhängigkeit der Menschen von den Ressourcen wie Wasser und Boden werden durch diesen Dialog mit den Elementen erfahrbar», schreibt sie dazu.
Ernährungssouveränität bedroht
Auch das drittplatzierte Bild erhielt an der Vernissage viel Lob, wie den Apérogesprächen zu entnehmen war. Das Bild «We who are earth» (Wir, welche Erde sind) der 22-jährigen Zürcherin Aari Wettach ist zweigeteilt: Die obere Bildhälfte zeigt eine Sonne an einem roten Himmel. Ein grünes Band aus Pflanzen verläuft wie eine Linie durch die Mitte des Bildes, darunter sind Wurzeln sichtbar. Bei genauerer Betrachtung entpuppen sich die Wurzeln als menschliche Gestalten, die einander und den Boden über ihnen stützen.
Foto: Sylvia Stam
«Wir Menschen kommen aus der Erde, wir ernähren uns durch sie und kehren nach dem Tod zu ihr zurück», erläutert Aari Wettach gegenüber dem «pfarrblatt» den Titel des Werkes. «Alle Menschen haben das Recht auf Nahrung und das Recht, diese selbst herzustellen. Doch diese Nahrungssouveränität ist sehr ungleich verteilt. Der Klimawandel verstärkt diese Ungleichheit. Der rote Himmel veranschaulicht diese Bedrohung. Die menschlichen Gestalten unter der Erde verdeutlichen, dass wir Menschen die Verantwortung hätten, die Erde und andere Lebewesen zu stützen. Wenn wir das tun, stützen wir einander auch gegenseitig.»
Die Idee, dass Menschen aus der Erde kommen und zu ihr zurückehren, sei sehr überzeugend umgesetzt, urteilt die Jury.
Weitere Zusammenarbeit mit HSLU denkbar
Das erstplatzierte Bild wird 2027/2028 als sogenanntes «Hungertuch» während der Fastenzeit in den Schweizer Kirchen hängen. Der Preis ist mit 3000 Franken dotiert, weitere 2000 Franken kommen für die weitere Bearbeitung zu Kampagnenzwecken hinzu. Ob eines der anderen Bilder in späteren Jahren als Hungertuch verwendet wird, ist laut Matthias Dörnenburg aktuell noch offen, weil das Kampagnenthema späterer Jahre noch nicht feststehe. Eine erneute Zusammenarbeit mit der HSLU ist aus seiner Sicht jedoch denkbar, ebenso die Zusammenarbeit mit dem deutschen Hilfswerk Misereor, welches die bisherigen Hungertücher jeweils ausgewählt hatte. korr. Vorname Gewinnerin, Anzahl Künstler:innen 9.9.26/sys