Am Freitag (20.2.) wurde der Kreuzweg des Schweizer Künstlers Manuel Dürr erstmals im Petersdom gezeigt. Anlässlich einer Kreuzwegandacht wurden die vierzehn Bilder im Format 1,3 x 1,3 m von Kardinal Mauro Gambetti geweiht. «Mir hat die Ernsthaftigkeit der Zeremonie sehr imponiert, aber am prägendsten war die Freude», sagt Manuel Dürr gegenüber dem «pfarrblatt».
Papst nicht dabei
Diese Freude wurde offenbar auch nicht dadurch getrübt, dass Papst Leo XIV. bei der Zeremonie nicht anwesend war. «Wäre der Papst anwesend gewesen, hätten die Anwesenden wohl kaum etwas von den Bildern gesehen», so Dürr.
Der Vatikan hatte den Kreuzweg laut Vatican News anlässlich des 400-jährigen Bestehens des Petersdoms in Auftrag gegeben. Jeweils zur Fastenzeit sollen die Bilder den Gläubigen zur Meditation dienen.
Dürr war es wichtig, in seinen Gemälden auf den Kontext des Petersdoms einzugehen, auf dieses «Universum der Symbolik, der Bilder und der Liturgie». Kreuzwege seien über Jahrhunderte «Ausdruck bestimmter Gruppen von Menschen, die mit ihren Fragen und Zweifeln gerungen haben», sagte der Künstler gegenüber Vatican News. Das Vorangegangene müsse mitbedacht werden, wenn man mit dieser Sprache sprechen wolle.
Gegenständliche Darstellungen
Dem Maler war es ein Anliegen, die Wandlung des Kreuzes vom Folterinstrument zum Zeichen der Hoffnung sichtbar zu machen. Besonders herausfordernd war für ihn, Jesus selbst ins Bild zu setzen. Milliarden von Menschen hätten ihre eigene Vorstellung und oft eine persönliche Beziehung zu Jesus.
Die grossflächigen Bilder wirken in ihrer gegenständlichen Darstellung klassisch, wie das «pfarrblatt» 2025 bei einem Besuch in Dürrs Atelier feststellen konnte. Sein Malstil sei «figurativ, also dem Realismus verbunden», erklärte Dürr damals, «die Menschen brauchen diese Bilder zum Beten, sie sind daher nicht nur ein Kunstwerk.» Dürr unterstellt seine künstlerische Kreativität dieser liturgischen Funktion. Während er sich früher stärker an Michelangelo orientiert habe, fühle er sich heute zunehmend der geistigen und bildnerischen Klarheit von Fra Angelico verbunden, heisst es auf Vatican News.
Manuel Dürr freut sich über die vielen positiven Rückmeldungen, die er bereits erhalten hat. «Aber ich sehe meinen Teil am Ganzen als abgeschlossen: Die Bilder gehören jetzt zum Petersdom. Was mit ihnen geschieht oder nicht geschieht ist, nicht mehr meine Verantwortung», sagt er gegenüber dem «pfarrblatt». «Ich werde sie aber selbst auch regelmässig besuchen.»
Aus 1000 Bewerbungen ausgewählt
Manuell Dürr studierte Malerei in Florenz und Philosophie, Kunstgeschichte und Slawistik an den Universitäten Freiburg und Bern. Der Vater von drei Kindern im Primarschulalter arbeitet als freischaffender Künstler in Biel. Spirituell gehört er zur Gemeinschaft Jahu. Laut relinfo.ch fühlt sich diese der reformierten Landeskirche zugehörig, ist aber ebenso inspiriert von orthodoxen und evangelikalen Traditionen.
Über 1000 Künstler:innen aus aller Welt hatten am Wettbewerb um den Kreuzweg teilgenommen. Dürrs Entwürfe hatten die Jury durch ihre technische Qualität, Originalität und ihre kraftvolle Ausdrucksstärke überzeugt. Der Wettbewerb war mit 120’000 Euro dotiert. (sys/aktualisiert: 24.2.)