Aus meiner Kindheit kenne ich einen Kanon. Er handelt davon, dass viele kleine Leute viele kleine Schritte tun und damit die Welt verändern. Ich mag ihn, die Melodie von Karl Adamek ist unaufgeregt und doch irgendwie beharrlich. Mit meinen Kindern singe ich das Lied immer noch gern. Aber in meinen heutigen Ohren klingt der Text, ein afrikanisches Sprichwort, auch etwas naiv. Wer glaubt schon noch daran, dass kleine Schritte die Welt verändern? In einer Zeit, in der die globalen Probleme so gross und wir selbst so klein erscheinen?
Auf ihrem Weg zum portugiesischen Wallfahrtsort Fátima fühlten sich die Sakristane Maciel Pinto und Antun Tunic aus Ostermundigen wie «Ameisen in Gottes Welt». Trotzdem waren sie überzeugt, dass ihr Gebet für den Frieden etwas bewirkt.
«Madame Frigo» ist ein Projekt, das sich gegen Lebensmittelverschwendung und für die Unterstützung armer Menschen einsetzt. Gestartet wurde es vor elf Jahren von vier Studentinnen in Bern, inzwischen läuft es erfolgreich in 20 Kantonen.
Vielleicht haben kleine Schritte doch mehr Macht, als ich bisher dachte. Dass das auch in negativer Weise der Fall sein kann, zeigt das Gespräch mit Daniel Bogner. Der Theologe sagt, die Menschenrechte gerieten nicht nur von Seiten der Mächtigen unter Druck. Es seien auch manchmal «kleine Leute», denen es «sicherer» scheine, sich auf die Seite der Stärkeren zu stellen.
Ich wünsche Ihnen eine nachdenkliche Lektüre und viele Schritte in die richtige Richtung.