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Helena Jeppesen im Video zur Aktion des Unterschriftenversands. Bild: Screenshot AGK

«Keine Diskriminierung!» - Das fordern 1000 Personen von den Bischöfen

Reformkatholik:innen haben eine Petition lanciert. Die 1019 Unterzeichnenden verlangen, dass das Privatleben von Seelsorgenden bei der Anstellung keine Rolle mehr spielen soll.

 

Lanciert wurde die Online-Petition anfangs Dezember von der «Allianz Gleichwürdig Katholisch» (AGK). Diese Allianz setzt sich für Reformen in der katholischen Kirche ein. Auslöser war ein Schreiben der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) vom letzten November. In dieser «Standortbestimmung» halten die Bischöfe an der bisherigen Praxis fest, wonach es relevant sein kann, ob ein:e Seelsorger:in beispielsweise geschieden und wieder verheiratet ist oder in einer queeren Partnerschaft lebt. 

Laut Kirchenrecht erhalten diese Personen keine bischöfliche Beauftragung, kirchenintern «Missio» genannt. Diese ist nötig, um als Seelsorger:in in der Kirche tätig zu sein. In ihrem Schreiben verzichten die Bischöfe auf einheitliche Kriterien und setzen stattdessen auf Einzelfalllösungen. 

Betroffene berichten von Diskriminierung

Für die Allianz besteht damit eine Situation der Willkür. «Die SBK hat es versäumt, nötige Veränderungen auszuarbeiten oder vorzuschlagen, um die römisch-katholische Kirche in der Schweiz zu einem diskriminierungsfreien Arbeitsumfeld für Seelsorger:innen zu machen», schreibt die sie in ihrer Mitteilung zum Abschluss der Petition. 

Unter den Unterzeichnenden sind auch mehrere von der Regelung Betroffene, wie aus den Kommentaren zur Unterschrift hervorgeht. «Selber betroffen. Bedenkliche Ausschlüsse erlebt», schreibt etwa ein Seelsorger aus Luzern. Auch ein homosexueller Christ aus Zürich hat in einer Kirchgemeinde «diskriminierende Erfahrungen machen müssen». Ein «verborgen homosexueller Theologiestudent» aus Oberwil möchte «eine Kirche erleben können, die mich genauso lieben kann wie alle anderen Menschen». 

Zwei Termine für synodales Gespräch

Mit den Unterschriften will die Allianz Druck auf die Bischöfe machen: «Wir fordern die Bischöfe auf, die Diskussion um die Beauftragung von Seelsorger:innen transparent weiterzuführen», sagt Helena Jeppesen in einem Video, welches die AGK zum Abschluss der Petition publiziert hat. Jeppesen vertritt innerhalb der Allianz das katholische Hilfswerk Fastenaktion und war Vertreterin der Schweiz an der Weltbischofssynode. «In einer synodalen Kirche dürfen diese Diskussionen nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden», sagt sie in dem Video. Gestützt auf die 1019 Unterschriften schicke die Allianz den Bischöfen nun zwei Termine mit der Einladung zu einem synodalen Dialog zum Thema. «Der Ball liegt jetzt bei den Bischöfen», so Jeppesen. 

Eine persönliche Übergabe der Unterschriften «wurde von der SBK nicht möglich gemacht», schreibt die Allianz, daher der Postversand. Das Generalsekretariat der SBK fungiere nicht als Kanzlei wie etwa beim Bund oder bei Kantonen, schreibt Davide Pesenti, Generalsekretär der SBK auf Nachfrage. Eine «Unterschriftenübergabe» sei somit nicht vorgesehen, sondern nur ein Postversand. 

Nach Erhalt werde der Brief an der kommenden Sitzung des SBK-Präsidiums behandelt. Dieses bilden aktuell die Bischöfe Charles Morerod, Joseph Maria Bonnemain und Josef Stübi. Ob die Bischöfe auf das Gesprächsangebot eingehen werden, könne zurzeit nicht beantwortet werden. sys