«Kennen Sie Asterix und Obelix?», antwortet Michel Conus auf die Frage, was das Wesen der «Paroisse catholique de langue française de Berne et environs» ausmache. «Als frankophone Katholik:innen im deutschsprachigen, reformierten Bern sind wir wie dieses kleine gallische Dorf, das sich gegen die Römer ringsum behauptet.»
Conus ist 78 Jahre und Mitglied der Paroisse, seit es sie gibt. Offiziell sind das jetzt 50 Jahre, die Geschichte der Pfarrei reicht aber doppelt so lang zurück. Bereits Mitte der 1920er-Jahre trafen sich französischsprachige Katholik:innen in Bern regelmässig zu einem Austausch über soziale, spirituelle und kulturelle Fragen. Viele Mitglieder des damaligen «cercle catholique» waren Bundesbeamte aus der Romandie, die zu der Zeit noch in Bern wohnen mussten.
1956 wurde das französische Vikariat der deutschsprachigen katholischen Pfarreien gegründet, elf Jahre später schlossen sich die französischsprachigen Katholik:innen zur «Association des catholiques de langue française de Berne» zusammen. Der Bau des «Pavillon» im Garten der Dreifaltigkeitskirche erleichterte ihre Zusammenkünfte. Neun Jahre danach beantragte die Association bei der Gesamtkirchgemeinde Bern die Gründung einer französischsprachigen Pfarrei, die sich im März 1976 konstituierte und ihren Sitz an der Rainmattstrasse fand.
Eigene Philosophie und Kultur
Die Paroisse teilt sich mit der Dreifaltigkeitspfarrei die Kirche und seit 2017 auch die Leitung. Zunächst wurde Christian Schaller, Pfarrer der Paroisse, zusätzlich Pfarrer der Dreifaltigkeitsgemeinde. Seit 2024 sind die beiden Priester Mario Hübscher und Raymond Sobakin für beide Pfarreien zuständig, ebenso wie Standortkoordinatorin Katharina Mertens Fleury. «Optimal ist das nicht», findet Conus. Und auch Jeannette Pillonel, wie Conus Gemeindemitglied der ersten Stunde, wünscht sich die Zeit zurück, als die Paroisse noch einen Pfarrer für sich allein hatte.
«Wir sind eine Gemeinschaft mit einer eigenen Philosophie und Kultur», sagt sie. Das doppelte Anders-Sein als frankophone Katholik:innen in Bern habe sie zusammengeschweisst, sagt Conus. «Man lebt hier wie eine Familie zusammen», beschreibt Pfarreiseelsorgerin Marianne Crausaz das Gemeindeleben.
Offiziell hat die Paroisse rund 850 Mitglieder. Sie ist aber eine nicht-territoriale Pfarrei, das heisst, viele Leute gehören eigentlich zu einer anderen Pfarrei im Raum Bern und sind zusätzlich in der Paroisse eingeschrieben. Oder sie kommen einfach dorthin, weil sie französischsprachig sind, tauchen in der Statistik aber nicht auf.
Weniger Asterix-und-Obelix-Gefühl als früher
Jeremy Isnard ist seit Dezember letzten Jahres Präsident des Pfarreirats. «Ich wollte in meiner Muttersprache über und zu Gott sprechen», sagt der 41-Jährige. Aus seiner Sicht ist dies der Grund, aus dem die meisten jüngeren Gemeindemitglieder den Weg in die Paroisse finden. «Sie kommen auch wegen der Gemeinschaft, aber vor allem wegen der Sprache», meint der gebürtige Franzose.
Einige Traditionen liessen sich angesichts sinkender Gemeindemitgliederzahlen und demografischer Veränderungen vielleicht nicht aufrechterhalten. Die Erwartungen der Gemeindemitglieder änderten sich aber auch. Die jüngeren Leute lebten in der Regel freiwillig in Bern und sähen sich weniger «im Exil». Es gelte, die Aktivitäten der Gemeinden an die aktuellen Gegebenheiten und Erwartungen anzupassen.
Seit einigen Jahren gibt es in der Pfarrei eine Gruppe namens «Kirche in der Gesellschaft», etwa 15 Menschen zwischen 20 und 50 Jahren, die sich monatlich auf Französisch über Glaubensfragen austauschen. Dass die Paroisse einen Ort dafür biete, sei wichtig, ist Isnard überzeugt.
«In der Gesellschaft ist eine Leere entstanden, die viele Leute spüren. Einige fragen wieder neu nach Gott.» Auch wenn das Asterix- und Obelix-Gefühl also weniger stark ist als früher – um die Zukunft der Paroisse macht sich Isnard keine Sorgen.
50 Jahre Paroisse
Am Sonntag, 1. März, um 09.30, feiert die «Paroisse catholique de langue française de Berne et environs» in der Dreifaltigkeitskirche (Bern, Taubenstrasse 6) ihr 50-jähriges Bestehen mit einer Messe, die von den zwei Chören der Pfarrei musikalisch mitgestaltet wird.