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Eine tröstliche Geschichte über Abschied, Liebe und Erinnerung. Foto: Atlantis Verlag, Zürich

Im Erinnern weiterleben

Haustiere gehören für viele Familien zum Alltag. Was, wenn eines sterben muss? Das Bilderbuch «Herschel – Der Gespensterhund» sucht nach Antworten – und spendet Trost.


Der Hund Herschel ist alt, sehr alt. Bei Familie Mick lebt er schon länger als die Tochter Luise. «Als Herschel ein Baby war, war Luise noch gar nicht auf der Welt. Jetzt ist sie ein grosses Mädchen und er ein alter Herr.» Herschel spürt grosse Schmerzen beim Gehen. «Der Tierarzt sagt, es sei Zeit, dass Herschel sterben dürfe.» Familie Mick schläfert ihr geliebtes Haustier ein. «Jetzt ist Herschel gestorben.» 

Weich und lebendig zugleich 

Doch die Geschichte von Thomas Meyer setzt der Endgültigkeit des Todes einen sinnlichen Trotz entgegen, der ebenso tröstlich wie poetisch ist: Was, wenn Herschel nicht einfach verschwindet? Was, wenn er in einer anderen Form weiterlebt? Genau hier beginnt die leise Magie der Erzählung: Herschel kehrt zurück – als Gespenst. Er bleibt. Denn «mit Gespenstern ist es so: Wenn man nicht an sie glaubt, spürt man sie nicht». Dieser Gedanke eröffnet einen Raum zwischen Fantasie und Gefühl, in dem Trauer und Nähe gleichzeitig existieren dürfen. 

Die Illustratorin Magali Franov setzt diese besondere Stimmung mit Aquarell, Gouache, Farbstiften und Collagen einfühlsam und verspielt in Szene. Ihre Bilder sind weich und lebendig zugleich, voll von Details, die zum Verweilen einladen. Sie zeigen nicht nur das Sichtbare, sondern auch das, was man vielleicht nur erahnen kann. Für Kinder und Erwachsene ein Augenschmaus. 

Das Kinderbuch verharmlost den Tod nicht. Es verschweigt weder den Schmerz noch den Abschied, es nimmt beides ernst. Gleichzeitig öffnet es einen Raum für das, was danach kommen könnte –Erinnerungen, Fantasie, das Weiterleben im Herzen. Herschel lebt fortan leise, unsichtbar und doch spürbar bei Familie Mick: «Wie schön! Nun haben wir also ein vierbeiniges Gespenst!» Wenn Vater Gustav dies sagt, schwingt keine Verdrängung mit, sondern eine liebevolle Akzeptanz: Herschel ist nicht mehr da – und doch ist er auf seine Weise geblieben. 

Ein Gefühl von Geborgenheit 

Diese leise Form des Weiterlebens macht das Kinderbuch zu einem wertvollen Begleiter für Kinder, die ein geliebtes Tier verloren haben – oder sich auf einen solchen Abschied vorbereiten müssen. Es liefert keine fertigen Antworten, sondern lädt zum gemeinsamen Nachdenken und Erzählen ein. Eltern und Kinder finden mit «Herschel – der Gespensterhund» einen Anlass, über das Sterben zu sprechen, ohne dass es sich schwer oder bedrohlich anfühlen muss. Vielmehr kann ein Gefühl von Geborgenheit entstehen, denn die Liebe endet nicht mit seinem Tod, sondern verwandelt sich. Sie wird zu einer Erinnerung, die mitwächst, manchmal kichert, manchmal stupst – und immer dann auftaucht, wenn man sie braucht. Ein Buch, das Mut macht, Gefühle zuzulassen und das Unsichtbare zu ehren.

 

«Herschel – der Gespensterhund» ist im Atlantis Verlag, Zürich, erschienen. Das Kinderbuch war für den Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis 2026 nominiert.