Erst einmal sollen die Kursteilnehmenden träumen. Patrik Böhler, Leiter des Moduls «Katechetische Projekte», sagt: «Stellt euch vor, euer Projekt ist durchgeführt. Es ist total gut gelungen. Was würdet ihr eurem Gegenüber erzählen?»
Die Fantasieübung fällt den Teilnehmenden leicht. Eine Gruppe berichtet, wie gut das aramäische Essen geschmeckt hat bei ihrem Projekt. Die zweite erzählt von ihrer Frauen-Pilgerreise ohne Handy, von strahlenden Gesichtern und völliger Entspanntheit. Die dritte Gruppe beschreibt ihr Kunstprojekt, das die Kirche viel bunter gemacht hat. Und Verena Hitz, die mit drei anderen ein Bibel-Krimi-Dinner plant, sagt: «Bis zum Schluss hat niemand gewusst, wer der Mörder ist.»
Hitz ist 51 Jahre, Informatikerin, mit Theologie hatte sie bis vor zwei Jahren wenig am Hut. Erst als ihre Tochter wenig begeistert vom Religionsunterricht heimkam, fragte sie sich, was man lernen müsse, um es selbst besser zu machen. Wenige Tage später fand ein Orientierungsabend zur modularen Ausbildung in ihrer Kirchgemeinde statt. Sie ging hin und begann kurz danach die Ausbildung zur Religionslehrerin. Genau das Richtige für sie, sagt die Wettingerin: «Endlich kann ich mit Menschen arbeiten und meine Kreativität ausleben.» Das ginge nicht allen Kolleg:innen so, meint Hitz. «Manche sagen, wenn sie gewusst hätten, wie anspruchsvoll es ist, hätten sie nicht damit begonnen.»
Derzeit absolvieren 48 Personen die Katechet:innen-Ausbildung, fünf davon Männer. Die Ausbildung ist aus elf verschiedenen Modulen aufgebaut, sie kann berufsbegleitend über drei oder mehr Jahre verteilt absolviert werden. Es geht um Theologie, Spiritualität und Liturgie, um Religionspädagogik, aber auch um Vernetzung und Arbeiten in der Kirche. Viele Module beinhalten ein Berufspraktikum oder eine Projektarbeit.
Menschen auf ihrem Glaubensweg begleiten
Die Projekte, die die Gruppen heute im Bullingerhaus in Aarau planen, werden sie nächstes Jahr durchführen. Bis dahin steht allerdings noch Arbeit an. Ein Ort muss gefunden, das Programm ausgearbeitet, ein Flyer erstellt werden. «Wir wollen es nicht zu christlich machen. Unsere Reise soll alle Frauen ansprechen», sagt Bianca Burckhardt. Die 45-Jährige erinnert sich selbst an Zeiten, in denen sie dem Glauben skeptisch gegenüberstand. Sie hat eine Ausbildung zur Kauffrau gemacht und arbeitet im familieneigenen Maler- und Gipserbetrieb. Auch sie kam durch ihre Kinder wieder zur Kirche. Seit dem Beginn ihrer Ausbildung zur Katechetin letztes Jahr gibt sie in der Pfarrei Lyss-Seeland Religionsunterricht.
Ökumenisches Team-Teaching
Die Kursleitenden beraten die Gruppen bei ihren Projekten, sie lassen ihnen aber viel Freiraum bei der Planung. «Ihr macht das Projekt, weil ihr es möchtet», erinnert Böhler sie. Und sein Kollege Simon Pfeiffer ergänzt: «Verliert das ‹Wozu› nicht aus den Augen. Was möchtet ihr bewirken mit eurem Projekt?»
Pfeiffer ist Theologe und Mitarbeiter der Fachstelle «Pädagogisches Handeln» der reformierten Kirche Aarau. Böhler ist Religionspädagoge und bei der katholischen Kirche im Kanton Bern angestellt.
Die ökumenische Zusammenarbeit ist für Bern ein neues Konzept. Bis 2024 führte die Fachstelle «Religionspädagogik» die Katechet:innen-Ausbildung eigenständig durch. Die Ausbildungsgruppen wurden allerdings immer kleiner. Daher arbeitet Bern nun im Verbund mit OekModula, einer in den Kantonen Basel, Basel-Stadt und Solothurn schon seit 2012 bestehenden ökumenischen Kooperation, und gemeinsam mit der ökumenischen Ausbildung in Aarau («ModulAar»).
Das Sakramentale im Fokus
Kommt das spezifisch Konfessionelle dadurch nicht zu kurz? Böhler verneint. Katholische Inhalte wie die Erstkommunion und die Versöhnung würden nicht als reines Pflichtprogramm vermittelt. Im Vordergrund stehe das Sakramentale. «Alle Menschen erleben in ihrem Leben Übergänge, Brüche, Versöhnung, Gemeinschaft – Erfahrungen, in denen sich das Heilige zeigen kann. Diese deuten wir aus und feiern sie, lebensnah und für alle verstehbar.»
Dass die meisten Module von ökumenischen Zweierteams geleitet werden, begrüsst die Reformierte Hitz. Ist das mal nicht der Fall, bekommt das Katholische in ihren Augen zu viel Gewicht. Als schwierig empfindet sie auch die unterschiedliche Organisation des Religionsunterrichts, der in den einzelnen Kantonen teils konfessionell, teils ökumenisch, teils in, teils ausserhalb der Schule stattfindet. Nicht immer passe die kantons- und konfessionsübergreifende Ausbildung genau zu dem, was die Einzelnen an ihrem Arbeitsort bräuchten.
Katechese als lebenslanges Lernen
Maria Mirabelli, die vor zwölf Jahren aus Italien in die Schweiz kam, sieht gerade die inhaltliche Breite und die ökumenische Ausrichtung der Ausbildung als Bereicherung. Die 41-Jährige hat Betriebswirtschaft studiert und war schon immer in der katholischen Kirche engagiert. In der Berner Missione Cattolica di Lingua Italiana ist sie für die Katechese verantwortlich. Durch die Ausbildung habe sich ihr Glauben verändert, sagt sie. «Ich schaue mehr in die Tiefe und sehe zum Beispiel die Bibel mit ganz anderen Augen.»
Damit beschreibt Mirabelli ein explizites Ziel der OekModula-Ausbildung: Die angehenden Katechet:innen sollen nicht einfach Glaubensinhalte lernen und diese später weitergeben. Es geht vielmehr darum, Katechese als lebenslanges und vernetztes Lernen zu begreifen, das sie auch in ihrer eigenen Persönlichkeit und auf ihrem eigenen Glaubensweg weiterbringt. «Wenn dies gelingt, ist viel erreicht», sagt Böhler.
Von OekModula bis zum/zur Seelsorger:in
Der Standardweg zum/zur Seelsorger:in war bisher ein Studium der Theologie. Seit diesem Herbst gibt es neu einen «Dualen Studiengang Seelsorge», der seelsorgliche Praxis mit dem Theologiestudium verbindet. Er richtet sich an Absolvent:innen des Religionspädagogischen Instituts (RPI) oder des Studiengangs Theologie am Theologischpastoralen Bildungsinstitut (TBI), aber auch an Quereinsteiger:innen.
Die Ausbildung an beiden Instituten kann ohne Matura und berufsbegleitend absolviert werden (drei bis vier Jahre). Es folgt eine Anstellung von maximal 50 Prozent als «Seelsorger:in in Ausbildung», parallel dazu ein zweibis dreijähriges Studium der Theologie. Dies eröffnet den Zugang zur ein- bis zweijährigen Berufseinführung (je nach Bistum). Mit dem neuen Studiengang können sich auch Absolvent:innen der Ausbildung ForModula/OekModula bis zum/zur Seelsorger:in weiterbilden. Denn ein Fachausweis ForModula/ OekModula in Katechese oder Jugendarbeit ermöglicht den Zugang zum RPI oder zum Studiengang Theologie am TBI. (sys)