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Bibel und Politik: In den USA gehört die Instrumentalisierung christlicher Motive heute zur Tagesordnung. / Foto: istock

Holen wir die Bibel zurück!

Die politische Instrumentalisierung biblischer Texte nimmt zu, besonders in den USA. Wir sollten die Bibel nicht dem Missbrauch überlassen. Es ist Zeit, ihre freiheitliche Botschaft neu zu entdecken.


Manchmal findet die Bibel unerwartete Resonanz. Nicht immer kann man sich jedoch darüber freuen – nämlich dann nicht, wenn diese Resonanz die biblische Botschaft aufs Gröbste verzerrt. So zum Beispiel am 13. Januar 2026 in einem professionell produzierten Video, das auf X (vormals Twitter) gepostet wurde: Szenen wie aus einem Action-Film. Schwerstbewaffnete Spezialeinheiten, die sich aus Hubschraubern abseilen und wie im Häuserkampf vordringen, Türen aufsprengen, Menschen wegführen. Dazu in Frakturschrift der Text: «Selig die Friedensstiftenden, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Matthäus 5,9.» Die Bergpredigt, die Friedensbotschaft Jesu par excellence, wird mit Waffen und Gewalt in ihr Gegenteil pervertiert. 

Die Bergpredigt wird in ihr Gegenteil verkehrt 

Mit diesem Video wirbt das US-amerikanische Ministerium für Innere Sicherheit für seine Behörde ICE, die seit Monaten durch Razzien und brutale Einsätze in den USA von sich reden macht und dabei im Januar 2026 in Minneapolis auch Renée Nicole Good und Alex Pretti erschossen hat, zwei unbescholtene amerikanische Bürger:innen. 

Wer Mt 5,9 («Selig die Friedensstiftenden») aufschlägt und nur wenige Sätze weiterliest, stösst in den sogenannten «Antithesen» der Bergpredigt darauf, wie Jesus das Tötungsverbot aus dem Alten Testament auf sehr absolute Weise aktualisiert und zur Versöhnung auffordert (Mt 5,21–26) Wenig später folgen in Mt 5,38–47 die herausfordernden Aufforderungen zum Gewaltverzicht und zur «Entfeindungsliebe» (Hermann-Josef Venetz). Ausgerechnet die Bergpredigt positiv mit Waffen und Gewalt in Verbindung zu bringen, sollte den Protest jedes Menschen hervorrufen, der oder die auch nur knapp etwas von der Botschaft Jesu und der Bibel gehört hat. 

Die Bibel nicht dem Missbrauch überlassen 

Die Bibel ist für alle Menschen frei zugänglich, und die Zeiten, in denen die Kirche und/oder ein Staat zu bestimmen versuchten, wie die Bibel gelesen und interpretiert werden darf – und auch: wie nicht – sind hierzulande glücklicherweise schon lange vorbei. Zugleich werden wir heute Zeug:innen davon, wie die Bibel erneut zur ideologischen Untermauerung nationalistischer, gewaltverherrlichender und fremdenfeindlicher Diskurse missbraucht wird, nicht nur in den USA. 

Es ist Zeit, die Bibel nicht denjenigen Menschen, Parteien und Politikern zu überlassen, die sie missbrauchen. Es ist Zeit, an der Bibel festzuhalten und die Bibel zurückzuholen in eine aufgeklärte, freiheitliche Lektüre. Es ist Zeit, die biblischen Grundbotschaften von Solidarität, Gemeinschaft, Gerechtigkeit, Hoffnung und Frieden neu zu entdecken. Anregungen, Hilfen und Methoden dazu gibt es viele, zum Beispiel auf den Webseiten der deutschsprachigen Bibelwerke.


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