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«Grosse:r Gott wir loben dich?»

Aki-Kolumne von Geneva Moser

Liturgie hat mich schon immer fasziniert. Als Jugendliche nutzte ich jede freie Minute, um das Chorgebet mit einer Gemeinschaft von Zisterzienserinnen zu feiern. Ich fragte sogar irgendwann die herzensgute und zugewandte Sakristanin, ob ich nicht, statt vom Kirchenschiff aus mitzubeten, einfach zu den Schwestern in den Chorraum dürfe. Ich durfte. Und lernte nach und nach die Struktur der Tagzeitengebete mit ihren Antiphonen, Responsorien und Psalmen, mit ihren Bewegungsabläufen und ihrer Einbettung ins Kirchenjahr kennen und lieben. Dass in der katholischen Kirche dieser Welt immer irgendjemand gerade die Vesper betet – durch die Zeitverschiebung ist genau jetzt immer irgendwo Abend – und sich dadurch (oder in der Kommunionfeier oder anderen liturgischen Formen) auf das Gespräch zwischen Gott und Mensch einlässt, das berührt mich. 

Gleichzeitig ist die Krise der Kirche, auch eine Krise der Liturgie, wie es die emeritierte Liturgieprofessorin Birgit Jeggle-Merz in einem Interview formulierte: «Viele Menschen empfinden die Liturgie als festgefahren, antiquiert oder ausschliessend.» Das kann ich trotz meiner Liebe zur Liturgie gut nachvollziehen: Gerade nicht-kirchlich sozialisierte Menschen können bei vielen Formulierungen, Liedtexten oder Metaphern kaum andocken. Auch Menschen in meinem Umfeld, die intensiv mit und durch die Liturgie leben, beispielsweise eben Ordensleute, äussern sich ähnlich. Was tun, wenn die traditionelle Gottesrede nicht (mehr) mit dem eigenen Gottesbild korreliert, wenn die patriarchalen Engführungen der Leseordnung viele Facetten der Bibel im Gottesdienst vermissen lassen? Immer wieder leisten kirchliche Mitarbeitende Übersetzungsarbeiten, suchen neue Formen, feilen an der liturgischen Sprache, versuchen, vielfältige Menschen abzuholen und in das grosse Versprechen der Liturgie einzuladen: «Umfangen vom Heil Gottes, das in der Geschichte ergangen ist, haben wir jetzt schon Anteil an dem Heil, das am Ende der Zeiten einmal sein wird» (Birgit Jeggle-Merz). 

Wie lässt sich Liturgie inklusiver gestalten? Welche Gottesrede wird der Unfassbarkeit Gottes gerechter? Auch im aki setzen wir uns mit diesen Fragen in verschiedenen liturgischen Formen auseinander – ein Bereich unserer Arbeit, der mir besonders Freude bereitet. Umso gespannter bin ich auf die vom Kompetenzzentrum Liturgik der Theologischen Fakultät Bern angebotene Tagung Ende August «Grosse:r Gott, wir loben dich? Geschlechterbewusst Liturgie feiern». Dort lassen sich diese Fragen vertiefen. 

Tagung: Grosse:r Gott, wir loben dich? Geschlechterbewusst Liturgie feiern. UniS, Schanzeneckstr.1, Bern, Raum A 022
Freitag, 28. August, 09.15–17.00
Anmeldung: www.liturgik.unibe.ch unter «News und Aktuelles»