Artikel

Foto: Manuel Simon

Zwischen Erholung und geistlicher Vertiefung

Der Sommer unterbricht unsere Routinen.

Manuel Simon, Gemeindeleiter Burgdorf

Als Kind und Jugendlicher bin ich über viele Jahre jeweils in Davos in den Sommerferien ­gewesen. Neben der aktiven ­Er­holung durch unzählige Bergwanderungen gehörte auch der Besuch des Sonntagsgottesdienstes in der Marienkirche zum festen Programm. Die Kirche lag etwas erhöht, mit Blick auf die Berge und von weit her waren die Glocken zu hören, die uns jeweils zur Eile antrieben, wollten wir es in den Ferien sonntags doch gerne etwas ­gemächlicher angehen. 

Drinnen: fremde Gesichter, ­vermutlich eine Mischung aus Touristen:innen und Einheimischen; manchmal nur noch einige ­wenige freie Klappstühle an der ­Kirchenwand für Zuspätkommende; ein Pfarrer mit Schweizer Hochdeutsch, der zum Schluss der Predigt immer noch einen Gedanken zu den «Buebli und Meitli» im Dialekt sprach. Ich verstand davon wenig – und sog deshalb mehr die feierliche Atmosphäre des schönen ­Kirchenraums in mich auf, be­obachtete die Ministrant:innen und den Mesner. Die Messe ­verlief an sich wie zu Hause auch und bot dennoch eine neue ­Erfahrung. 

Der Sommer unterbricht unsere Routinen. Wir sind unterwegs, lassen Altes zurück, suchen neue Erfahrungen. Und genau darin kann etwas Geistliches liegen – auch ohne grosse Worte. Ein Moment der Ruhe auf einer Wanderung, den Körper bei ­jedem Schritt spüren und die ­Atmung in Einklang bringen, ein Gespräch am See, der Besuch einer Bergkapelle unterwegs: Oft sind es einfache Augenblicke, die Tiefe bekommen, wenn man aus seinem Alltag heraustritt, achtsamer unterwegs ist und sich öffnet. 

Für mich haben die Feriengottesdienste in Davos jeweils gezeigt, dass etwas Vertrautes in neuer Umgebung eine andere Tiefe bekommt und die Perspektive weitet. Vielfältig wie eine bunte Bergblumenwiese sind die Glaubensformen, in denen wir uns dem Göttlichen auf die Spur begeben.