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«Schwerter zu Pflugscharen». Die Forderung nach Abrüstung und Waffenvernichtung findet sich bereits in biblischen Texten. Foto: unsplash

Gewalttätige Gottesbilder überwinden

Die Gewalttätigkeit weltlicher Herscher:innen beeinflusste schon immer das Gottesbild der Menschen. Auch die Bibel kennt gewalttätige Gottesbilder – aber sie fordert auch deren Überwindung.


Wir Menschen sind zwar «im Grunde gut», tragen aber auch ein gewalttätiges Potenzial in uns (Rutger Bregmann, 2020). In der Menschheitsgeschichte werden diese beiden menschlichen Pole, das Leben Bewahrende wie das Leben Zerstörende, oft auf die Vorstellung übertragen, wie Gott ist.

Je mehr Siege, desto stärker angeblich der Gott 

Im Alten Orient liessen sich ägyptische Pharaonen und mesopotamische Herrscher häufig auf ihren Streitwagen abbilden, einen riesigen Kriegsbogen in ihrer mächtigen Faust. Ihre Feinde wiederum sind winzig klein dargestellt und werden von den Herrschern zerschmettert. Ihre Macht legitimieren altorientalische Herrscher mit einem Gott, der sie in ihr Amt eingesetzt habe und für sie kämpfe. Je mehr Schlachten ein Herrscher gewinne, desto stärker sei sein Gott, so lautet ihre Propaganda. 

Kriegerische Gottesbilder

 Ein solch kriegerisches Gottesbild wird beispielsweise auf der berühmten Mescha-Stele aus dem 9. Jahrhundert vor Christus beschrieben: Moab war zu dieser Zeit ein Nachbarvolk von Israel. Mescha, der König von Moab, beschreibt seinen militärischen Sieg gegen Israel als Sieg seines Gottes Kemosch: Kemosch gebietet dem König, Krieg zu führen, und vertreibt dessen Feinde. Der König seinerseits lässt alle Feinde umbringen «als Darbringung für Kemosch». 

Solche durch und durch kriegerischen Gottesbilder waren im ganzen Alten Orient verbreitet und finden sich auch in der Bibel. So heisst es etwa vom Jerusalemer König David mehrfach, er führe die Kriege Gottes (1 Sam 18,17; 25,28). Diese werden im Alten Testament zwar nie als «heilige Kriege» bezeichnet, dennoch enthalten sie die im Alten Orient verbreitete Kriegsgott-Vorstellung: Wie die Göttin Ischtar oder der Gott Assur für ihre Königreiche kämpfen, so kämpft der Gott Israels in vielen Texten für Israel (z.B. Ex 15,3; Ri 11,4; Ps 24,8.10). 

Ein Schritt zu mehr Menschlichkeit 

Die Stellen, an denen die biblischen Schriften sich gegen dieses Kriegs-Gottesbild wenden, bedeuten eine Besonderheit für die altorientalische Zeit und einen Schritt zu mehr Humanität und Menschenwürde. So etwa, wenn die Übertragung männlicher Gewaltherrschaft auf Gott explizit kritisiert wird: Hosea 11,9 argumentiert, Gott komme nicht wieder im Zorn, denn Gott sei Gott «und kein Mann». 

Auch die Entwicklung zum monotheistischen Glauben konnte vor dem altorientalischen Hintergrund eine friedensfördernde Wirkung haben: Wenn es nur einen Gott für alle Menschen gibt, kann nicht mehr ein Volk mit seinem Gott gegen ein anderes Volk mit dessen Gott in den Krieg ziehen.

Antikriegs-Texte im Alten Testament 

Es gibt im Alten Testament auch Texte, in denen Gott explizit gegen den Krieg kämpft (Ps 46,10; 76,4–10; Hos 2,20; Sach 9,10). In der Sintflut-Erzählung (Gen 6–9) entwickelt sich das Gottesbild noch einen Schritt weiter, indem Gott nun auf Gewalttätigkeit ganz verzichtet. In manchen biblischen Texten wird auch verlangt, dass Menschen ihre Waffen vernichten (Ez. 39,9f) oder dass sie die Waffen umschmieden zu Werkzeugen für den Ackerbau – «Schwerter zu Pflugscharen» – und keinen Krieg mehr lernen (Jes 2,2–5; Mi 4,1–5). 

Hoffnung auf universalen Frieden 

Dieses Abrüsten verbindet sich mit der Hoffnung auf einen universalen Frieden (Jes 11,6–9) und mit der Vision eines neuen Himmels und einer neuen Erde (Jes 65,17–25). Solche Texte sind im Alten Orient eine Besonderheit der Bibel. Denn altorientalische Staaten sahen in militärischen Aktionen ein legitimes Mittel, um machtpolitische Interessen durchzusetzen – eine Haltung, die bis heute immer wieder dominiert. Doch damals wie heute sollte jede Religion dazu beitragen, menschenverachtende politische und wirtschaftliche Systeme zu überwinden und den Frieden zu fördern.


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