Kürzlich stiess ich auf eine besondere Kunstinstallation: Gaia.
Eine sich drehende Erdkugel, gestaltet aus Satelliten-Aufnahmen (L. Jerram), schwebte mitten im riesigen Dom von Sankt Blasien. Das Kunstwerk von 10 Metern wurde unglaublich gefeiert und zog Tausende an – ein bisschen überraschte mich das.
Wenn man herumblickte, sah man überall im Raum Personen, die für Fotos posierten: Alle wollten als «Erd-Trägerin» oder «Welt-Umarmer» verewigt sein. Ich seufzte «Wenn es nur so wäre?». Nahe am Christkönigsfest dachte ich an Christus, den «Salvator mundi» (Retter der Welt) und an die Christophorus-Legende – der Heilige trägt das Jesuskind über den Fluss und wundert sich, wie schwer es ist, bis es ihm erklärt, dass er mit ihm die Welt getragen habe. Gern hätte ich die Leute gefragt, ob sie das, was sie jetzt mit Geste darstellen, auch in ihrem Leben umsetzten. Wie sieht es aus mit Klima, Tierschutz, Auto, Essen? Aber ich wollte keine Spassverderberin sein.
Ich liess die Situation auf mich wirken: Diese riesige Kugel wurde in einer riesigen Kirche von einer riesigen Kuppel getragen – die Erde ist eben nicht die ganze «Welt». Sie ist nicht selbst «Göttin» (namens Gaia), sondern sie ist umfangen und getragen von Gott, Urgrund des Himmels und der Erde.
Viele Anwesende hörte ich staunen: «So gross ist Afrika?» – Ja! Die üblichen Weltkarten zeigen ein verzerrtes Bild. Selbst, wenn man den extra eingebauten «Hochstand» bestieg und knapp auf Augenhöhe mit dem Äquator war, konnte man Europa immer noch nicht sehen, gerade mal so das Mittelmeer. Direkt auf dem Äquator leben unsere Pfarreipartner am Viktoriasee.
So viele Menschen sind das ganze Jahr nicht in der Kirche. Haben sie etwas mitgenommen? Die Kugel selbst hat mich nicht so sehr fasziniert, aber ihr Verhältnis zum Gotteshaus und das Verhältnis der Menschen zu ihr.
Gerade haben wir mit dem Christkönigsfest das alte Kirchenjahr geschlossen, mit dem Advent beginnt das neue – werde es uns ein Jahr für «Gaia».