Die vier Cousins Ismail, Rafi, Chamad und Dahesch Alkrenawi aus der Beduinenstadt Rahat retteten am 7. Oktober 2023 unter Lebensgefahr junge Israelis aus dem Party-Gelände, das die Hamas angegriffen hatte. So teilt es die Dormitio-Abtei in Jerusalem, wo die Preisverleihung am 2. November stattfand, auf ihrer Website mit. Die jüdische Historikerin und Religionswissenschaftlerin Karma Ben-Johanan hat sich im christlich-jüdischen Dialog verdient gemacht. Dafür erhielten die fünf Personen den «Mount Zion Award», der auf eine Stiftung mit Sitz in Luzern zurückgeht.
Muslimische Beduinen retten Israelis
In den frühen Morgenstunden des 7. Oktobers, kurz nach dem Terror-Anschlag, hätten sich die vier muslimischen Beduinen in ihrem Jeep auf den Weg gemacht, um einen Cousin zu retten, heisst es weiter. Auf dem Festival-Gelände seien sie auf verwundete und verängstigte Menschen gestossen, denen sie ohne zu zögern geholfen hätten. «Unter Einsatz des eigenen Lebens evakuierten sie nach und nach etwa vierzig Festivalbesucher mit ihrem Jeep aus dem Kriegsgebiet, bevor sie erst einige Stunden später ihren eigenen Cousin retten konnten», heisst es in der Einladung zur Preisverleihung. Mitglieder der Hamas ermordeten an jenem Tag rund 400 Festivalbesucher:innen und verschleppten Dutzende weitere als Geisel in den Gazastreifen.
Offener Brief an Papst Franziskus
Ebenfalls mit dem «Mount Zion Award» geehrt wurde die jüdische Historikerin Karma Ben-Johanan. Sie lehrt Religionswissenschaften an der Hebräischen Universität Jerusalem. Ben-Johanan wandte sich einen Monat nach dem Massaker in einem Offenen Brief an den damaligen Papst Franziskus. Darin erinnerte sie an das Konzilsdokument «Nostra Aetate». Das darin formulierte spirituelle Erbe von Juden, Jüdinnen und Christ:innen müsse betont und deren Freundschaft verstärkt werden.
Interreligiöse Verständigung
Der Friedenspreis «Mount Zion Award» wird vom Institut für Jüdisch-Christliche Forschung der Universität Luzern (IJCF) gemeinsam mit der Dormitio-Abtei in Jerusalem verliehen. An der Preisverleihung war denn auch der Schweizer Jesuit Christian Rutishauser, Leiter des ICJF, anwesend. Der Preis wird seit 1987 an Personen oder Institutionen verliehen, die sich in der kulturellen und interreligiösen Verständigung von Judentum, Christentum und Islam und im Friedensprozess in Nahost verdient gemacht haben. Er ist dieses Jahr mit je 15’000 Franken dotiert. Zu den früheren Preisträger:innen gehören u.a. der israelische Autor Amos Oz und die palästinensische Friedensaktivistin Sumaya Farhat-Naser. (sys)