1482 tauschten der Rat von Bern und Bruder Klaus Dankesbriefe aus. Die Berner bedankten sich beim Einsiedler aus dem Ranft für seine Vermittlung beim Stanser Verkommnis. Es war ihm gelungen, zwischen den zerstrittenen Eidgenossen zu vermitteln und damit das Auseinanderbrechen des Bündnisses abzuwenden. In seiner Antwort ermahnte Bruder Klaus die Ratsherren, stets den Frieden zu suchen: aufeinander zu hören, einander ernst zu nehmen, auch die andere Meinung zu erwägen und trotz unterschiedlicher Ansichten Entscheidungen zum gemeinsamen Guten zu treffen.
Diese Mahnung, die auch uns allen gilt, ist heute aktueller denn je. Wenn wir morgens die Nachrichten lesen, begegnen uns Krieg, Gewalt und politische Spannungen: im Iran, in der Ukraine, im Heiligen Land und in so vielen weiteren Teilen der Welt. Und selbst bei uns nehmen Polarisierung und Extremismus in unterschiedlichen ideologischen Richtungen zu. Die Fragen jüngerer Generationen sind deshalb verständlich: Wo geht es hin? Haben wir Grund zur Hoffnung? Ist Frieden überhaupt möglich?
Der Friede, von dem Bruder Klaus spricht, ist dabei mehr als die Abwesenheit von Krieg, mehr als der Slogan «Kein Krieg!». Jesus nennt jene selig, die Frieden stiften. Das heisst auch, Ungerechtigkeiten, Verletzungen und Fehlverhalten klar zu benennen.
Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag am 20. September lädt uns deshalb nicht nur zum Danken und Bitten ein, sondern auch zur Umkehr und Veränderung: Wo müsste ich mein Verhalten oder meine Denkweise ändern? Wo kann ich über meine Grenzen hinausgehen? Wo kann ich mich für Frieden einsetzen?
Der Appell des Bruder Klaus bleibt deshalb eine Herausforderung und zugleich eine Hoffnung: Sucht den Frieden! Frieden ist realisierbar! Er beginnt so oft im Kleinen. Hört einander zu. Nehmt einander ernst. Verliert das gemeinsame Gute nicht aus dem Blick und engagiert euch dafür. So bleibt es nicht nur etwas, auf das wir hoffen, sondern eine Aufgabe, an der wir alle mitwirken können – und an der wir Christinnen und Christen uns besonders beteiligen sollen.