Gemüse wird geschnippelt, eingelegt, sorgfältig luftdicht verschlossen und dann zur Ruhe gelegt. Sauerteigstarter gefüttert, Brote geknetet und nach einem mehrtägigen Prozess endlich gebacken und verspeist. Pilze gedeihen in grossen Glasgläsern und verwandeln Tee fast wie von Zauberhand zu prickelndem Kombucha.
Trotz des Zeitalters der sozialen Medien und vielleicht auch gerade aufgrund dessen, ist das Fermentieren wieder gross im Trend. Auch uns im aki hat es dieses Thema angetan – so haben wir unsere Küche und Räumlichkeiten kürzlich genutzt, um zusammen mit rund 15 Interessent:innen den Milchsäurebakterien eine perfekte Ausgangslage zu bieten, um unser Gemüse haltbar und mikrobiomfreundlich zu machen. Denn in fermentierten Lebensmitteln bleiben wichtige Nährstoffe und Vitamine erhalten und können die Vielfalt der Bakterien im Darm erhöhen. Deshalb haben wir uns bei der Wahl unseres Semesterthemas auf den Begriff der Fermentation bezogen: den Prozess der Umwandlung, welcher einerseits Bestehendes verarbeitet und voranbringt und so Neues entstehen lässt.
Auch auf philosophischer Ebene können wir viel vom Darm lernen: ein kooperatives Zusammenleben und Miteinandersein. Denn ohne die unzähligen Bakterien könnten wir gar nicht überleben. Sie bauen unverdauliche Nahrungsbestandteile ab, produzieren Vitamine, regen die Darmbewegung an, trainieren das Immunsystem oder bekämpfen schädliche Keime. Die Zusammensetzung der Darmflora beeinflusst also Verdauung, Nährstoffaufnahme, Ausleitung und Entgiftung sowie das Immunsystem und die Psyche.
Wir sind auf andere, wenn auch sehr kleine Organismen angewiesen; so soll es ein wichtiger Punkt in unserem Alltag sein, dass es ihnen gut ergeht. Von dieser unverzichtbaren Symbiose kann sich der Mensch auch für das soziale Zusammenleben eine dicke Scheibe abschneiden.