Die Evangelische Kirche Schweiz (EKS) legt einen neuen Vorschlag für eine Missbrauchsstudie vor. Dies meldete Schweizer Radio SRF am 30. September in den Nachrichten. Ziel der Studie sei eine unabhängige Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der evangelisch-reformierten Kirche Schweiz. «Wir wollen die Erfahrung von Betroffenen sichtbar machen, strukturelle Schwachstellen erkennen und die bisherigen Aufarbeitungsprozesse evaluieren», sagte EKS-Präsidentin Rita Famos gegenüber SRF.
Die Studie soll die Strukturen der Kirche untersuchen und abklären, wie spiritueller und sexueller Missbrauch zusammenspielen. Der Rat der EKS erhofft sich laut SRF zudem Erkenntnisse für die Prävention und Intervention. Die Studie soll maximal 250'000 Franken kosten, Resultate sollen bis Ende 2027 vorliegen. Die Gesamtkosten der Pilotstudie zu Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche Schweiz, die 2023 publiziert wurde, beliefen sich auf 450'000 Franken, wie Gaby Wyser auf Nachfrage mitteilt. Wyser leitet die Firma Weissgrund, welche mit der Kommunikation der Studie beauftragt war. Inwiefern sich diese Kosten mit jenen der EKS vergleichen lassen, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen.
Erster Vorschlag 2024 verworfen
Das Parlament der Evangelischen Kirche Schweiz hatte bereits in der Sommersession 2024 über eine nationale Missbrauchsstudie diskutiert. Dies vier Monate nachdem eine Studie in der Evangelischen Kirche Deutschland ans Licht gebracht hatte, dass das Thema nicht nur in der römisch-katholischen Kirche relevant ist.
Der Rat der EKS schlug damals eine umfassende Dunkelfeldstudie vor, die gesamtgesellschaftliche Daten erfasst. Diesem Vorschlag erteilte das Parlament im Juni 2024 eine Abfuhr und verlangte eine Studie, die sich auf die reformierte Kirche Schweiz beschränkt.