Alle drei Jahre führt die Studierendenvertretung der Universität Bern, die SUB, eine Grossumfrage unter den Studierenden durch. Sie erfasst dabei die Interessen, Bedürfnisse und Meinungen der Studierenden und kann diese anschliessend entsprechend vor der Universität, dem Kanton und auf nationaler Ebene vertreten. Ein Blick in diese Studien ist aufschlussreich. Wussten Sie beispielsweise, dass die Studierenden in Bern mit 82% eine höhere Erwerbstätigenquote haben als der Durchschnitt der Schweizer Studierenden? Oder dass die Theologiestudierenden überdurchschnittlich zufrieden mit ihrer Lebenssituation sind?
Geradezu alarmierend ist die Studie im Themenbereich «Mentales Wohlbefinden». Die SUB stützt sich in diesem Umfrageteil auf Massstäbe der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese definiert mentale Gesundheit als «einen Zustand des Wohlbefindens, in dem jede:r Einzelne die eigenen Fähigkeiten erkennt, mit den normalen Belastungen des Lebens zurechtkommt, produktiv und fruchtbar arbeiten kann und in der Lage ist, einen Beitrag zur eigenen Gemeinschaft zu leisten».
Mit einem Kurzfragebogen hat die WHO ein Mittel vorgegeben, um das subjektive Wohlbefinden von Befragten zu erfassen. Je höher der Wert dabei zwischen 1 und 100 ausfällt, desto besser das Wohlbefinden. Ohne diagnostische Absichten definiert die WHO 50 als Schwellenwert, der auf mögliche Symptome einer Depression hinweist. Die Berner Studierenden kommen auf die Zahl 50,79.
Dieses doch alarmierende Ergebnis deckt sich auch mit unserer subjektiven Wahrnehmung: Psychische Gesundheit ist ein grosses Thema unter den Studierenden. Leistungsdruck, komplexe Lebenssituationen, die weltpolitische Lage, die einen wenig optimistischen Blick in die Zukunft zulässt, finanzielle Schwierigkeiten, Orientierungslosigkeit … All das sind Themen, die uns auch im aki im Gespräch mit Studierenden begegnen. Natürlich auch Aktivität, gute Laune, entspannte Gelassenheit, grosses Interesse, Sinn und Neugierde, die es zu stärken gilt.
Da wollen wir im Frühlingssemester mit einem Erste-Hilfe-Kurs für psychische Gesundheit anknüpfen: Viele Studierende fühlen sich im Kontakt mit Kolleg:innen, denen es nicht so gut geht, hilflos und verlegen. Ein vierteiliger Ensa-Kurs für Laiinnen und Laien vermittelt Grundlagenwissen und unterstützt die Teilnehmenden darin, psychische Probleme frühzeitig zu erkennen und den Betroffenen die notwendige Erstunterstützung zu geben. Denn: Es gibt auch eine grosse Bereitschaft, sich Unterstützung zu suchen, um sich gegenseitig besser unterstützen zu können.