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Foto: Tafeberg Kapstadt / iStock

Erinnerungen

Kolumne aus der Inselspitalseelsorge

Im Alltag eines Seelsorgers begegnet man vielen Geschichten. Geschichten von Hoffnung, Krankheit, Abschied und Verlust. Besonders im Spital erzählen Menschen oft nicht nur von Diagnosen oder Problemen, sondern auch von Erinnerungen. Erinnerungen an Orte, an geliebte Menschen und an gemeinsame Reisen, die geblieben sind.

Ein Gespräch ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Ein Mann, dessen Frau im letzten Jahr im Inselspital verstorben war, sprach lange über ihre gemeinsame Zeit in Kapstadt. Seine Frau stammte von dort. Sie hatten viele gemeinsame Erinnerungen an diese Stadt gesammelt: Spaziergänge am Meer, kleine Cafés, Sonnenuntergänge und Begegnungen mit Menschen, die ihnen ans Herz gewachsen waren.

Nach dem Tod seiner Frau entschied sich der Mann, noch einmal für einen Monat nach Kapstadt zu reisen. Als er in die Schweiz zurückkehrte, erzählte er, wie gut ihm diese Reise getan habe. Nicht, weil sie den Schmerz verschwinden liess, sondern weil sie ihm erlaubte, den gemeinsamen Erinnerungen nahe zu sein. Die vertrauten Orte wurden für ihn zu einer Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Gerade Menschen, die einen Verlust erleben, halten sich oft an Erinnerungen fest. Sie erzählen von kleinen Gesten, von gemeinsamen Mahlzeiten oder von besonderen Momenten. Diese Erinnerungen sind mehr als nostalgische Gedanken. Sie geben Trost, Identität und manchmal sogar neue Kraft zum Weitergehen.

In der Seelsorge zeigt sich immer wieder: Erinnerungen helfen Menschen, Trauer auszuhalten. Das Aussprechen von Erinnerungen macht einen geliebten Menschen noch einmal gegenwärtig. Oft entsteht dabei ein Moment der Nähe, obwohl jemand längst nicht mehr da ist.

In einer Zeit, in der vieles schnelllebig geworden ist, erinnern uns solche Begegnungen daran, wie wertvoll Erinnerungen sind. Sie bewahren nicht nur die Vergangenheit, sondern unterstützen Menschen, mit Schmerz, Abschied und Veränderungen zu leben.

Vielleicht liegt genau darin ihre grösste Kraft: Sie können keinen Menschen zurückbringen – aber sie können das Gefühl bewahren, dass Liebe und gemeinsame Erfahrungen weiterleben.

Rubin Gjeci, Seelsorger im Inselspital

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